Wandern in Norwegen – der Geitgaljen zweithöchster Berg der Lofoten

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Wandern in Norwegen ist eine wahre Freude und wenn man gerne auf Gipfeln steht und eine spektakuläre Aussicht genießt, dann sind die Lofoten oder die Insel Senja genau das richtige Wanderrevier. Viele anspruchsvolle Berge gibt es auf den Lofoten, oft äußerst steil und im Gipfelbereich mit einer Kletterpartie verbunden. Meist beginnt ab 500 m Höhe eine alpine Welt, wie man sie in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz erst oberhalb von 2500 m findet. Gerade diese alpine Welt reizt uns, weshalb wir uns viele Gipfel mit mehr als 600 m Höhe aussuchten. Am nordöstlichen Ende der Lofoten stießen wir mit 1085 m auf den zweithöchsten Berg der Lofoten, den Geitgaljen. Es war eine atemberaubende Wanderung mit fantastischer Aussicht.

Wir mussten ein paar Tage warten bis sich endlich das Regenwetter verzog und sich die Gipfel der Lofoten nicht mehr komplett wolkenverhangen zeigten. Bei strahlend blauem Himmel lenkten wir unseren Campervan von der E10 runter auf eine kleine Straße Richtung Liland und parkten unweit der dortigen Langlaufloipe. Die erste Wegstrecke zum Geitgaljen ist identisch mit der Langlaufloipe, so dass wir deren Verlauf durch ein dichtes Birkenwäldchen folgten. Dabei begleitete uns das romantische Plätschern eines Bächleins. Wo das wohl herkam?

Norwegen Lofoten Geitgaljen
Links der Higravstindan (1146 m) und der rechte Kegel ist der Geitgaljen (1085 m)

Nachdem wir das Birkenwäldchen fast komplett gequert hatten verließen wir die Loipe (welche in einem Rundkurs zurück zum Ausgangspunkt führt) und folgten dem kleinen Bachlauf Richtung Berggipfel. Der Pfad führte gut sichtbar durch Wiesen und es dauerte nicht lange bis es steil bergauf ging und wir ordentlich ins Schwitzen kamen. Immer wieder sahen wir Schafe, die in den Steilhängen mit ihren Lämmern grasten. Sie bewegten sich überaus leichtfüßig im Vergleich zu uns, die wir wie eine schnaubende Dampflok einen Fuß vor den anderen setzten. Alle paar Meter machten wir eine Verschnaufspause und genossen die Aussicht, die mit jedem Höhenmeter an Weite gewann.

Mit jedem Meter wurde das saftige Grün weniger und das Geröll mehr. Wir steuerten auf einen kleinen Wasserfall zu, der sich über einen Felsvorsprung innerhalb des Talkegels ein paar Meter in die Tiefe stürzte. In Serpentinen schnauften wir auf diesen Wasserfall zu, stiegen an seiner Flanke auf und als wir oberhalb des Wasserfalls standen breitete sich ein riesiges Geröllfeld vor uns aus. Alte Schneefelder und Schmelzwasserseen glitzerten in der Sonne. Jetzt war auch die Frage geklärt wie der Bach zu seinem Wasser kam.

Norwegen Lofoten Geitgaljen
Genießen der Aussicht

Ab hier waren wir auf uns gestellt, mussten selbst den Weg finden denn weder Farbmarkierungen noch Steinmännchen und erst recht keinen Pfad konnten wir entdecken. Dafür thronte vor uns im strahlenden Blau des wolkenfreien Himmels majestätisch der Gipfel des Geitgaljen. Für die kommenden Kilometer würde er unser nicht zu übersehender Wegweiser sein.

Wir wanderten durch ein riesiges Geröllfeld, querten vorsichtig Schneefelder und umrundeten glasklare Schmelzwasserseen. Rechter Hand türmen sich zackige Felsen auf. Ich konnte der Verlockung nicht widerstehen diese zu erklettern.

Norwegen Lofoten Geitgaljen
Ich konnte dieser Kletterpartie nicht widerstehen

Nach einiger Zeit erreichten wir den Sattel. Nun konnten wir die letzten Meter bis zum Gipfel sehen. Es sah ziemlich steil aus. Aber nicht minder steil ist die Rinne hinab ins Kvanndalen bis zum Austpollen, eine Route, welche im Winter bei Extremskifahrern äußerst beliebt ist. Nach einer ausgiebigen Pause querten wir das letzte große Schneefeld und arbeiteten uns mühsam den rutschigen, fast senkrechten Geröllhang hinauf.

Wir gingen abwechselnd ein paar Schritte, da es äußerst steil und das Geröll unglaublich lose war, damit der nachfolgende immer achtsam für herunterfallende Steine war. Die letzten 30 Höhenmeter waren richtig kniffelig, denn oft landeten wir in einer Sackgasse, wo kein Vorwärtskommen möglich war. Oft mussten wir mehrere Meter unter Zuhilfenahme unserer Hände senkrecht nach oben klettern. Aber nach einer schweißtreibenden halben Stunde hatten wir auch dies gemeistert und die letzten Schritte zum Gipfelplateau des Geitgaljen nahmen wir spielend.

Oben angekommen stockte uns der Atmen: die Aussicht war schier unbeschreiblich. Der Geitgaljen ist mit 1085 m der zweithöchste Berg der Lofoten. Bis auf den Higravstinden (1146 m), der unweit des Geitgaljen liegt, konnten wir alle umliegenden Gipfel überblicken. Unser Blick schweift über eine raue Gebirgslandschaft, bis zum Festland Norwegens können wir sehen. In schattigen Tälern entdecken wir immer wieder Schnee. Auf dem Meer sehen wir zahlreiche Schiffe, klein wie Spielzeuge. Sogar die Hurtigruten beobachten wir, wie sie gerade in den berühmten Trollfjord fährt.

Norwegen Lofoten Geitgaljen
Manu genießt die Aussicht

Das Gipfelplateu ist deutlich größer als wir es erwartet haben, allerdings ist es durchzogen von einem breiten Riss und es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit bis die eine Hälfte wegbrechen wird. Wir genießen die Zeit oben auf dem Geitgaljen, betrachten in aller Ruhe die unter uns liegenden Lofoten. Wir waren so hoch, dass die Autos welche sich nach Svolvaer schlängelten wie eine geschäftige Ameisenstraße wirkten. Ehe wir uns versahen ist eine Stunde vergangen und wir sollten wohl den Rückweg antreten. Es kostet uns Überwindung, denn zu schön ist es auf dem Dach der Lofoten.

Der Rückweg gestaltete sich von der Routenfindung deutlich einfacher, denn schließlich können wir uns daran orientieren, wo wir aufgestiegen sind bzw. hat man von oben herab einfach einen besseren Überblick. Nach 6 1/2 Stunden Wanderung waren wir wieder zurück an unserem Auto. Laut Recherchen im Netz soll die Strecke zwischen 8,5 km und 10 km lang sein. Mangels GPS können wir hierzu nichts sagen. Aber auch wenn es 15 km gewesen wären … Die Aussicht entschädigt für alles!

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

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