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Reise zum weißen Kontinent – Falklandinseln, Südgeorgien und Antarktis

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Wie beschreibt man ein Erlebnis, das so einmalig war, dass einem die Worte fehlen? Ich weiß es noch nicht, deshalb will ich nachfolgend nur eine kleine Zusammenfassung unserer Schiffsreise zu den Falklandinseln, Südgeorgien und letztendlich in die Antarktis geben. 19 Tage verbrachten wir mit 87 Mitreisenden an Board der MS Sea Spirit in antarktischen Gewässern.

Mit dem Schiff auf See

Die Reise glich der Form einer Welle: aufgrund der Seepassagen zwischen den einzelnen Zielen befand ich mich in einem Tief. Die Seekrankheit hatte mich im Griff. Zwar ging es mir nicht so schlecht, dass ich nur noch sterben wollte, aber bei der Seepassage von Südgeorgien in die Antarktis war mir so schlecht, dass ich das Bett nicht verließ. Trotz stürmisch aufgepeitschter See und Sturmböen mit Beaufort 11 zeigte sich Manu äußerst seetauglich und nahm nachfolgenden Clip auf:

On the Antarctic Ocean from Thomas Guthmann on Vimeo.

Der Wellenberg, also der Gipfel des Glücks, waren all die anderen Dinge. Das Expeditions-Team bestand aus fantastischen Leuten: Birgit wanderte zum Nordpol bzw. durchquerte Grönland. Jonathan überwinterte 2 x in der Antarktis. Maarten segelte von Buenos Aires nach Ushuaia und war in einem 48 Stunden andauernden Sturm dem Tode nahe. Erlebnisse, Geschichten, die meinen Mund offen stehen ließen. Die Expeditionsleiterin Anja hielt nachts um 3 Uhr Treffen mit dem Kapitän ab, um die Reise auf etwaige Wetterunannehmlichkeiten abzustimmen. Die übrige Crew, vom Kapitän bis zum Kellner, war überaus herzlich, hatte ebenfalls viel zu erzählen und manch einer entpuppte sich als zaubernder Entertainer. Wir waren während unserer bisherigen Weltreise nicht von derart vielen interessanten und herzlichen Menschen umgeben.

Die Falklandinseln oder auch Islas Malvinas wie man besser in Argentinien sagt

Nach zwei Tagen auf See erreichten wir die östlichen Ausläufer der Falklandinseln. Wir landeten an Westpoint Island und besuchten Carcass Island. Es war fantastisch und so herrlich britisch anmutend von der Landschaft: grüne Wiesen mit Schafen, Ginsterbüsche und dazu die typischen Backsteinhäuschen. Trotz der vertrauten Szenerie erlebten wir ein erstes Highlight: die Albatros-Kolonie auf Westpoint Island inkl. Felsenpinguinen und wir mittendrin. Es gackerte und zwitscherte, Albatrosse segelten gekonnt über unsere Köpfe, schnäbelten verliebt und saßen auf ihren Eiern. Dies alles spielte sich an einer Steilküste ab, an die das tiefblaue Meer brandete. Von dort hüpften und watschelten die kleinen Pinguine in großen Sprüngen die Felsen hoch. Was ein Kraftakt. Kein Wunder, dass die Pinguine auf Englisch passenderweise Rockhopper heißen. Zwischen den riesigen Albatrossen hatten sie ihre Nester und brüteten verschlafen anmutend ihre Eier aus.

Detaillierter Bericht zur unserem Aufenthalt auf den Falklandinseln.

Falklandinseln Westpoint Albatroskolonie
Albatroskolonie auf Westpoint

Südgeorgien – das Pinguinparadies

Zwei weitere Seetage dauerte die Reise von den Falklands nach Südgeorgien. Wir wurden mit Nebel und tiefhängenden Wolken begrüßt. Doch als wir am Mittag Salisbury Plain mit der zweitgrößten Königspinguin-Kolonie der Welt erreichten, hatten wir blauen Himmel und die Sonne lachte. Hunderte Pelzrobben machten ein Anlanden mit den Zodiacs schwer, doch das Expeditionsteam meisterte diese Herausforderung gekonnt. Sobald wir festen Boden unter den Füßen hatten waren wir von Wildtieren umgeben: süße, mit Kulleraugen versehene See-Elefanten-Babies, aggressive Pelzrobben und natürlich die stolzen Königspinguine. Überraschenderweise war die Küstenregion bereits schneefrei und nach einer kurzen Wanderung über Wiesen erreichten wir den Rand der Brutkolonie der Königspinguine: Tiere so weit das Auge reicht (schätzungsweise 60.000). Wir blieben einfach stehen, beobachteten und lauschten. Braune flauschige Wollknäule rannten aufgedreht zwischen den Alttieren umher.

Südgeorgien Königspinguine Salisbury Plain
Farbenfrohe Königspinguine

Vier Tage verbrachten wir in verschiedenen Buchten von Südgeorgien, erlebten nicht nur die unvergleichliche Tierwelt, sondern auch die blutige Geschichte des Walfangs in Grytviken und das Drama um Shackleton und seine Crew.

Antarktis – strahlendes Weiß so weit das Auge reicht

Zwei Tage später, nach einem heftigen Ritt auf den Wellen, erreichten wir die antarktische Halbinsel und suchten erstmal Schutz in der Wilhelmina Bay, da noch immer ein Sturm tobte. Nichtsdestotrotz sahen wir bereits während der Überfahrt beeindruckende Eisberge und es wurde schlagartig kälter.

Der nächste Tag bescherte uns antarktisches Bilderbuchwetter. Die Sea Spirit ankerte in Orne Harbour umrahmt von hohen, eisigen Bergen. Wir landeten mit den Zodiacs an und Schnee knirschte unter unseren Stiefeln. Wir wanderten einen Berg hoch. Am Grat angekommen blickten wir in eine Bucht mit blauem Meer, kleinen und gigantischen Eisbergen, eingerahmt von einer faszinierenden Bergkulisse voller Schnee. Ich hätte nicht gedacht, dass die antarktische Halbinsel derart viele und imposante Berge zu bieten hat. Ich war sprachlos, wir hatten es nun also wirklich bis in die Antarktis geschafft. Händchenhaltend genossen wir diesen Moment, bevor wir dem Verlauf des Grates zu einer Zügelpinguin-Kolonie, welche 200 m über Meeresniveau brütet, folgten.

Antarktis Orne Harbour
Der erste Fuß auf dem weißen Kontinent

Zwei weitere unbeschreiblich erfüllende Tage verbrachten wir zwischen weißen Giganten und blauem Meer, wo wir vom Schlauchboot aus 12 Buckelwale beobachteten.

Unsere Schiffsreise in die Antarktis mit Poseidon Expedition hat uns täglich sprachlos gemacht. Mit offenen Mündern bestaunten wir eine unbeschreibliche Tierwelt und erlebten eine wunderschöne, eisige Landschaft. Das Expeditionsteam und die übrige Crew der Sea Spirit waren die fleißigen Helfer, welche dieses grandiose Schauspiel zu einem sicheren und unvergesslichen Erlebnis machten. Keine Naturdokumentation kann vermitteln, in was wir mit all unseren Sinnen eintauchten.

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

6 Responses

  1. nico
    | Antworten

    Sprachlos!!! :o

  2. Ralf
    | Antworten

    Das ist etwas, was jährlich nur eine begrenzte Anzahl von Personen zu sehen bekommt. Gott sei Dank nehmen die dort unten den Naturschutz sehr ernst.
    Ich freue mich mit Euch über die Einblicke, die Ihr genießen durftet und auch darüber, dass wir ein wenig mit schauen dürfen. Danke dafür.

    Ralf

    • Thomas
      | Antworten

      Hallo Ralf!

      Freut uns, dass Dir unser kleiner Einblick gefällt. Irgendwann gibt’s dann zu jeder Station ausführliche Berichte und viele Fotos.

      Viele Grüße

      TM

  3. Michael
    | Antworten

    Was für ein tolles Erlebnis. Wieder einmal mehr ein toller Reisebericht mit phantastischen Bildern. Euch alles Gute und viele weitere so schöne Erlebnisse auf Eurer Tour. Liebe Grüße Michael

  4. sylvia
    | Antworten

    Wunderschöner Bericht.
    Irgendwie war mir heute danach, „Antarktis“ bei google einzugeben und dann bin ich bei euch gelandet.
    Pinguine kenne ich bisher nur von Galapagos und selbst ohne Eis und Schnee war ich dort schon bis zur Sprachlosigkeit beeindruckt.
    Ein paar Jahre arbeiten sollte ich noch, bevor ich mich auf die nächste Weltreise mache… und dann ganz bestimmt mit Patagonien und Antarktika.

    Danke schon mal im Voraus für eure Tipps und Berichte :)

  5. Franziska Bodory
    | Antworten

    Danke für deinen wunderschönen Beitrag! Es hört sich einzigartig und umwerfend an!

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