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Abenteuer Dempster Highway

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Ich ging gerade ein paar Schritte vom Auto weg, um mir die Zähne zu putzen als mir Manu zurief: „Ist das ein Elch?“ Sie zeigte schräg nach links von mir auf den Hang. Ich konnte es nicht richtig erkennen also stiefelte ich zurück zum Auto und griff nach dem Fernglas …
Jedoch um überhaupt bis zu diesem Punkt zu kommen ist es eine lange Geschichte, welche ein paar Tage zuvor begann.

Es war ein stetiges hin und her auf der Fahrt von Keno City zurück zum Klondike Highway. Wir waren uns einig im Tombstone Territorial Park wandern zu gehen. Zu schön war die Berglandschaft. Dies bedeutete allerdings, dass wir mindestens 150 km auf dem Dempster Highway würden fahren müssen.

Legendär ist der Ruf dieser 735 km langen Schotterpiste bis ans Meer nach Inuvik. Hier würden Mensch und Maschine auf eine harte Belastungsprobe gestellt. Ohne zwei Reservekanister Sprit und ebensoviele Reserveräder solle man diesem reifenverschlingenden Monster nicht entgegen treten, so wurde uns gesagt.

Kanada Yukon Dempster Highway Polarkreis
Die Abzweigung zum Dempster Highway

„Was machen wir nun? Sprittechnisch ist es ein Kinderspiel für unseren sparsamen SleeperVan. Aber die Reifen … „, meinte ich nachdenklich. „Die tolle Landschaft gibt es halt erst ab dem Polarkreis wie die Dame vom Visitor Centre in Watson Lake meinte“, war Manus Antwort. „Komm, wir schauen uns den Dempster Highway an und entscheiden dann. Der Alaska Highway war auch besser als erwartet“, erwiderte ich.

Die Sache war beschlossen. Bis in den Tombstone Territorial Park würden wir es aufgrund der Wanderungen auf jeden Fall probieren und jeder weitere Kilometer auf dem Dempster Highway Richtung Polarkreis wäre Bonus.

Angekommen in Dawson City mussten wir erstmal Lehrgeld zahlen, denn wir hatten vergessen in Whitehorse 2x Müsli und 2x Abendessen für die Wanderung zu kaufen. Kurze Zeit später waren wir so um 20 $ ärmer aber um Frühstück und Abendessen reicher! Hungern müßten wir also nicht bei unserer Wanderung … sofern wir dort ankämen.

So weit im Norden geht die Sonne erst nach 23 Uhr unter trotzdem wird es nicht richtig dunkel. Ein Blick auf die Uhr offenbarte, dass es fast 11 war. Somit würden wir heute kein Benzin mehr bekommen, denn im hohen Norden macht alles beizeiten zwischen 17 und 20 Uhr zu. Daher suchten wir uns am Stadtrand von Dawson City ein ruhiges Nachtlager.

Am nächsten Morgen lachte uns die Sonne entgegen. „Ein perfekter Start für den Dempster Highway!“ dachten wir uns, denn besser könnten wir es garnicht haben. Noch immer hatten wir die Geschichten des alten Mannes aus Keno City im Ohr über Schlammpisten, in die sich der Highway bei Regen verwandelte. „Wenn es richtig schlammig wird“, so sagte er „dann dürft ihr bloß nicht stehen bleiben, sonst kommt ihr da nicht mehr raus!“. Aber es schien ja zum Glück die Sonne.

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Weit und breit kein Mensch in Sicht

Wir frühstückten, machten den Tank randvoll und fuhren los. Als wir nach 40 km vom Klondike auf den Dempster Highway bogen stieg unsere Aufregung und ein Gefühl von Abenteuer durchflutete uns. Gespannt, ja fast angespannt fuhren wir unsere ersten Kilometer auf dem berühmten Highway.

Doch mit jedem Kilometer lockerte sich die Anspannung. Die Straßenbedingungen waren gut. Ja sehr gut sogar. Klar mußte man immer achtsam bleiben, um die Schlaglöcher, die es immer mal wieder gab, nicht zu übersehen, aber sonst? Sonst gab es nichts zu meckern. Die Straße nach Keno City oder stellenweise sogar der geteerte Klondike Highway waren um einiges schlimmer.

So fuhren wir problemlos zum Tombstone Territorial Park und weiter. Das einzig nervige war, wenn einem ein Laster entgegen kam. Diese bretterten den Highway in einem sagenhaften Tempo entlang und ungebremst an uns vorbei. Dabei schleuderten sie oft Steine auf die Windschutzscheibe.

Zuerst versuchten wir möglichst weit am Rand zu fahren. Dies führte allerdings nur dazu, dass die LKW-Fahrer noch weiter in die Mitte zogen. Der beste Plan war also: so lang wie möglich in seiner Spur zu bleiben damit der LKW nicht näher kam, um dann im letzten Moment zum Rand hin den Steinen auszuweichen. So klappte das sehr gut mit dem Fahren.

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Regen zieht auf

Mit der Zeit setzte der Regen ein und wollte einfach nicht mehr aufhören. Bis zum Polarkreis und zurück regnete es. So fuhren wir stundenlang durch den Regen und menschenleere Gegenden. Vorbei an Seen und Flüssen, Bergen und Ebenen. Am schönsten war es dabei auf den Eagle Plains, denn die fantastische Fernsicht war einfach phänomenal! Die hervorgeschworenen unpassierbaren Matschpisten blieben zum Glück aus.

Nach einem langen Tag und 405 Kilometern Schotterpiste waren wir endlich an unserem Ziel angekommen: dem Polarkreis. Wir kochten direkt am bzw. besser auf dem Polarkreis im Nieselregen. Nachdem wir mit Essen fertig waren, es kalt wurde und die Dämmerung hereinzog machten wir uns fertig für die Nacht. Gerade als wir uns in unser Auto verkriechen wollten meinte Manu: „Schau mal, ich glaub da steht ein Elch!“.

Dank der Dämmerung und der Entfernung des Tieres erkannte man nicht viel. Zudem hatte es den Kopf ins tiefe Gras gesenkt und schien gemütlich zu fressen. Ich holte das Fernglas, um den vermeintlichen Elch besser zu sehen, ging näher heran und erblickte … einen stattlichen Grizzlybären.

Unaufhörlich fraß er gemütlich Gras vor sich hin. Ein wilder, freilebender Grizzly. Ein beidruckendes und auch beklemmendes Gefühl, denn wir waren hier völlig allein und der Bär kam mit jeder Minute näher. Weder hatte er uns bisher gesehen noch gewittert. Er war einfach nur gemütlich am Fressen und das beste Gras (oder Beeren) schien in unserer Richtung zu wachsen.

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Abendlicher Besuch von einem Grizzly

Dank starkem Wind konnte er uns weder hören noch riechen. Da wir ihn nicht überraschen wollten mit unserer Anwesenheit schlugen wir kräftig mit den Deckeln der bärensicheren Mülleimer aufeinander. Doch der Grizzly zeigte keine Reaktion und kam beständig näher. Ein Fernglas brauchte man nun wirklich nicht mehr.

Was also tun!? Einfach schlafen gehen ging nicht, das hatte mir Manu klargemacht, die schon mal sicherheitshalber hinter dem Auto wartete. Schauen was passiert erschien mir eine dumme Idee, denn wenn der Bär uns zu spät bemerkt würde er sich vielleicht erschrecken oder bedroht fühlen.

Zum Glück hatten wir einige Bearbanger dabei. Einen besseren Praxistest könnte es nicht geben! Wir machten den Banger bereit und behielten den Grizzly gut im Auge. Nach ein paar weiteren Minuten war er dann so nah, dass wir uns bei weitem nicht mehr wohl fühlten. Wir zielten mit dem Bearbanger in die Luft und … Abschuss! Ein erster Knall, laut genug, dass der Grizzly erschrocken den Kopf hob und zu uns rüber schaute. Der Knallkörper stieg hoch in die Luft und explodierte dort mit einem zweiten, viel lauteren Knall – einem Gewehrschuß – gleich. Zusätzlich leuchteten Funken einem Feuerwerkskörper ähnlich auf und verglühten in der eisigen Luft.

Das war zuviel für den Bären. Wie von einem Schwarm Hornissen gestochen rannte er den Berghang hinunter und verschwand hinter Büschen! Gut zu wissen, dass die Bearbanger so wirkungsvoll sind! Der Einsatz von Barspray wäre bei all dem Wind nicht möglich gewesen. Beruhigt begaben wir uns ins Bett.

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Wir haben es geschafft!!

Am nächsten Tag ging es für uns wieder zurück zum Tombstone Territorial Park. Das Wetter war durchwachsen, wurde jedoch zunehmend besser, sodass wir einmalige Aussichten auf der Fahrt genießen konnten.

Hier im Tombstone Territorial Park wanderten wir für ein paar Tage zum Mount Tombstone und dem Talus Lake. Wie es uns dabei erging, kannst Du in diesem Artikel nachlesen. Nach der Wanderung ging es für uns zurück nach Dawson City.

Das war es also. 820 km sind wir auf dem Dempster Highway unterwegs gewesen. Sowohl bei strahlendem Sonnenschein als auch im schlimmsten Regenwetter. Trotzdem hatten wir keinerlei Probleme. Weder hatten wir einen Platten noch benötigt wir einen Reservekanister Benzin zwischen den Tankstellen. Und trotz der ganzen LKWs, die an uns vorbei donnerten, blieb auch unsere Frontscheibe heil.

Thomas meint: Abenteuer Dempster Highway
Es ist schon verrückt, wie einfach man in Nordeuropa zum oder über den Polarkreis kommt. Hier im Yukon war es mit deutlich mehr Aufwand verbunden. 2012 schwitze ich Ende Juli in Grönland auf den Arctic Circle Trail und hier in Kanada am Polarkreise – ebenfalls Ende Juli – froren wir bei 10 Grad, da uns ein eisiger Nordwind um die Ohren Pfiff. Der beständige Regen tat sein übriges und die tiefhängenden Wolken zeichneten ein bedrohliches Szenario. Als dann auch noch den Grizzly nur 300 m von uns entfernt auftauchte und immer näher kam konnte ich das Gefühl von Abenteuer in der weiten Wildnis von Kanada nicht mehr verleugnen. Die vergangenen Monate waren toll und erlebnisreich aber hier am Polarkreis kam so viel zusammen, dass ich mich wie ein Abenteurer fühlte. 
Einzig und allein unserem Auto sah man an, wo wir uns die letzten Tage rumgetrieben hatten. Eine dicke Schlammschicht überzog das halbe Auto. Die Kofferraumklappe war vollständig überzogen, sodass es kein Lichtstrahl mehr hindurch schaffte. Doch zum Glück ist Dawson City auf solche Autos bestens vorbereitet, denn überall gab es Selbstwaschstationen mit Hochdruckreinigern und dieser war auch dringend nötig.

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

2 Responses

  1. Ralf
    | Antworten

    Hallo,

    das sind Erlebnisse um die ich euch beneide.

    Ralf

    • Thomas
      | Antworten

      Hallo Ralf,

      noch ist es nicht zu spät Du kannst noch immer den Dempster Highway erfahren.

      Viele Grüße

      Thomas

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