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Papageientaucher in Island – Bakkagerdi, die Alternative zu Latrabjarg

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Island ist nicht nur bekannt für seine wilden Landschaften und raue Natur, sondern auch für seine einzigartige Tierwelt. Vor allem die putzigen Papageientaucher haben es vielen Islandtouristen angetan. Diese kleinen Gesellen mit ihren traurig dreinblickenden Clownsgesichtern und dem etwas unbeholfen wirkenden Flugfähigkeiten ziehen alljährlich tausende Menschen – von jung bis alt – in ihren Bann. Die meisten zieht es zum Vogelfelsen nach Latrabjarg. Aber auch Bakkagerdi ist eine besuchenswerte Alternative zu Latrabjarg.

Trotz ihrer unbeholfen wirkenden Flugkünste sollte man sich nicht in diesen kleinen Vögeln täuschen, denn die Papageientaucher, auch Puffins oder wissenschaftlich Fratercula arctica gennant, erreichen Fluggeschwindigkeiten von 80 km/h! Dabei schlagen ihre Flügel gut 400 mal pro Minute, was den gedrungen Vögeln so ein putzig-flatterndes Erscheinungsbild gibt. Des Weiteren sind sie geschickte Taucher und Fischer und erbeuten täglich bis zu 100 g Fisch, was nicht gerade wenig ist, wenn man bedenkt, dass die Vögel nur 400 – 800 g wiegen. Charakteristisch ist dabei, dass die Vögel den Schnabel gerne zu voll nehmen und das wortwörtlich.

Island Papageientaucher in Bakkagerdi Borgarfjödur
Äußerst erfolgreicher Fischfang

Oft sieht man Puffins nach der Jagd mit einem Schnabel voller Fisch heimkehren. Das spart natürlich Zeit und Energie, wenn man nicht jeden kleinen Fisch einzeln zur Bruthöhle transportieren muss. Wenn man die vollen Schnäbel sieht, fragt man sich unweigerlich: Wie schaffen sie das, ohne dass sie dabei Fische verlieren? Der Trick ist: Papageientaucher haben kleine, gekrümmte Dornen im Schnabel. Gegen diese drücken sie den gefangen Fisch mit der Zunge, der dann festhängt wie auf einem Angelhaken. So kann der Vogel gefahrlos den Schnabel für die nächste Jagd öffnen ohne Angst haben zu müssen, seine bereits gefangene Beute zu verlieren. So können die Papageientaucher dutzende Fische auf einen Schlag transportieren. Der Rekord soll bei 61 Fischen liegen. Wahnsinn! Kein Wunder also, dass diese Vögel das Interesse vieler Touristen wecken, zumal man die Vögel so einfach beobachten kann. Wieso? Weil sie in großen Kolonien Bruthöhlen graben und man sie somit gemütlich bodennah betrachten kann in der Brutsaison. Außerhalb dieser leben die Vögel ausschließlich auf dem offenen Meer und sind somit schwer zu beobachten.

Island Papageientaucher in Bakkagerdi Borgarfjödur
Der Schnabel ist ganz schön voll

Da stellt sich also die Frage: Wo kann man Puffins am besten während ihrer Brutsaison beobachten? Sehr gut geht dies auf Island, da hier 3 – 4 Millionen Brutpaare (dementsprechend also doppelt so viele Vögel) leben. Schätzungen gehen davon aus, dass es in Europa insgesamt gut 6 – 7,5 Millionen Brutpaare gibt. Auf Island ist vor allem der Vogelfelsen Latrabjarg sehr beliebt. Hier gibt es eine wundervolle Steilküste mit direktem Blick nach Westen und einer riesigen Vogelkolonie. Wenn ihr mehr über diesen Ort erfahren wollte, könnt ihr darüber in diesem Artikel mehr erfahren. Der Nachteil von Latrabjarg ist die Anfahrt über eine ewig lange Schotterpiste und das unberechenbare Wetter. Schnell kann hier dichter Nebel aufziehen und die Sicht auf wenige Meter einschränken. Des Weiteren brütet eine Großzahl der Vögel unterhalb der Steilklippenkante, wodurch sie schlechter zu sehen sind bzw. ist dieser Ort für Leute mit Höhenangst nicht gerade empfehlenswert. Ein weiteres Manko: Obwohl der Ort so abgelegen und als Vogelschutzgebiet deklariert ist, gibt es hier keine Toiletten, was dem Schutze der Natur wohl nicht zum Vorteil ist.

Island Papageientaucher in Bakkagerdi Borgarfjödur
Auf dem Weg nach Bakkagerdi

Einfacher hat man es da bei dem Vogelfelsen von Bakkagerði / Borgarfjörður. Der kleine Ort mit gerade mal 140 Einwohnern liegt ca. 70 km von Egilsstadir entfernt und ist über eine unbefestigte Schotterstraße zu erreichen. Allein die Fahrt hinein in den Fjord Borgarfjörður eystri ist sehenswert. Man fährt hindurch zwischen bunten Rhyolith-Bergen, wie wir sie schon auf unserer Wanderung des Laugavegur kennen und lieben gelernt haben, und dem tosenden Meer. In Bakkagerði / Borgarfjörður angekommen erwartet einen ein beschauliches Örtchen mit einem wunderschönen Campingplatz. Selbiger liegt direkt am Felsen Álfaborg, dem Sitz des Elfenkönigs und seines Hofstaats. Fährt man die Straße bis zum Ende erreicht man den Vogelfelsen. Der Felsen ist nicht sehr groß und doch die Heimat von unzähligen Papageientauchern. Nicht umsonst nennt sich Bakkagerði / Borgarfjörður auch die Hauptstadt der Elfen und Papageientaucher. Der Vorteil hier: Die Vögel nisten überall auf dem Hügel und dank eines Holzplankenweges und einer Aussichtsplattform steht man selbst mitten drin. Gegen einen kleinen Unkostenbeitrag gelangt man auch in das Vogelbeobachtungshaus und kann den Puffins noch näher sein. Doch das ist fast nicht nötig, denn ständig flogen die Vögel mit vollen Schnäbeln dicht über unsere Köpfe hinweg, um möglichst schnell und ungesehen in ihren Nisthöhlen zu verschwinden. Manche ließen sich gar gekonnt direkt in ihre Nisthöhle aus dem Flug heraus fallen. Andere, die wegen des Windes weniger günstig landen konnten, tappelten verlegen vom einen auf den anderen Fuß bevor sie scheinbar allen Mut zusammen nahmen und schnellstmöglich zu ihrer Bruthöhle rannten. Und nicht nur der Berg war voll von Papageientauchern, sondern auch die Luft und das Wasser. Sie waren am Fischen oder am Fliegen und versuchten Raubmöwen und Dreizehenmöwen gekonnt auszuweichen. Die wiederum versuchten ihrerseits den Puffins ihren Fisch abzujagen. Hier konnte man gut sehen, wie schnell die kleinen Papageientaucher trotz ihrer scheinbaren Stummelflügel fliegen konnten.

Island Papageientaucher in Bakkagerdi Borgarfjödur
Abbremsen für die Landung

Wir verbrachten Stunden damit, den Vögeln zuzuschauen und schossen vermutlich eine Trillion an Bildern. Zum einen, weil es nicht sehr leicht ist, die Vögel im Flug zu erwischen, zum anderen, weil wir so begeistert waren, dass wir einfach nicht genug davon bekommen konnten. Erst als die Sonne zu ungünstig stand und wir schon ausreichend Bilder im Kasten hatten machten wir uns auf den Heimweg. Da aber der Zeltplatz in Bakkagerði / Borgarfjörður so idyllisch in der Sonne lag, lockten uns seine sanften grünen Wiesen und wir blieben spontan hier. Wie gut es uns hier gefiel erkennt man auch daran, dass aus der einen Nacht am Ende zwei wurden, denn wir schauten am nächsten Tag noch das Fußballspiel des Jahres: das WM-Spiel Island gegen England, welches Island sogar 2:1 gewann! Das gesamte Dorf – egal wie alt, ob Mann oder Frau – schaute gemeinschaftlich in der Kneipe des Ortes und wir mitten drin! Die Stimmung war einfach sagenhaft und komplettierte so einen fantastischen Ausflug hinein in den Borgarfjörður eystri Fjord an Islands östlichem Ende.

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

3 Responses

  1. Marc
    | Antworten

    Bakkagerði war mir bisher nicht bekannt. Eigentlich wollten wir im Mai zum Beobachten der Papageitaucher zum Latrabjarg Felsen. Nach deinen Erzählungen haben wir uns es jedoch anders überlegt und werden deiner Empfehlung folgen. Vielen Dank dafür!

  2. Silvia Weiß
    | Antworten

    Hallo Weltenbummler,
    das sind ja tolle Fotos. wie habt ihr das „Abbremsfoto“ hinbekommen? Wir wollen im Sommer nach Island und ich fotografiere auch sehr gern und viel.Viele Grüße und noch viele schöne Reisen Silvia

    • Thomas
      | Antworten

      Hallo Silvia!

      Freut mich, dass Dir die Fotos gefallen.
      Das „Abbremsfoto“ hat viel mit Glück zu tun, dass der Vogel im richtigen Winkel anfliegt und man den Fokus trotz der schnellen Bewegung auch wirklich auf den Papageientaucher bekommt.

      Viel Spaß in Island, viele Grüße

      Thomas

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