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Hilfreiche Informationen und Tipps zum Wandern in Kirgisistan

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Unsere Reise durch Kirgisistan war ein tolles und vor allem interessantes Erlebnis. Stellenweise sogar abenteuerlich und anders als gedacht. Deshalb ist dieser Artikel entstanden, in dem wir zu verschiedenen Sachen/Themen hilfreiche Informationen, Tipps und unsere Erfahrungen wiedergeben, welche wir im Vorfeld unserer Wanderung in Kirgisistan gerne gewusst bzw. sich als nützlich erwiesen hätten.

Nimm nicht gleich das erste Angebot eines Taxifahrers an

In Kirgisistan kamen wir mit Hilfe von Minibussen (sogenannten Mashrutkas, in Deutsch Marschrutkas) und Taxis (offizielle und private Fahrer) überall hin. Der Transport stellte absolut kein Problem dar. Mashrutkas haben feste Preise und fahren los, sobald sie voll sind (je nach Größe zwischen 10 – 20 Personen; maximal mussten wir eine Stunde bis zur Abfahrt warten). Taxis hat man meist für sich allein. Auf der einen Seite gibt es offizielle (mit entsprechendem Taxischild auf dem Dach), welche recht günstig sind. Auf der anderen Seite bieten Männer auch ohne offizielles Taxischild auf dem Auto ihre Fahrdienste an (sogenannte private driver), welche deutlich teurer sind. Hier lohnt es sich zu handeln und nicht gleich den erstgenannten Preis zu akzeptieren. Die preisgünstigste Variante ist und bleibt jedoch der Minibus (oder wie in Bishkek der Omnibus, der allerdings nur im Stadtverkehr fährt).

Du solltest Russisch können oder zumindest das kyrillische Alphabet

Eine Freundin hatte mir im Vorfeld der Reise nach Kirgisistan etwas mit ein paar russischen Sätzen geholfen und diese in Lautschrift und in Kyrillisch aufgeschrieben. Zudem hatten wir noch einen Zettel dabei, auf dem weitere Sätze notiert waren, insbesondere hinsichtlich vegetarischem Essen. Oft wurden diese Sätze jedoch nicht verstanden bzw. wenn Antworten auf unsere Sätze kamen standen wir da wie der Ochs vorm Berg, da wir nichts verstanden. Es war etwas naiv von mir (uns) zu glauben mit den paar Sätzen zurechtzukommen.

Deutlich besser – was ich allerdings im Vorfeld belächelte – war, dass Manu das kyrillische Alphabet lernte und somit vieles lesen konnte. Dies entpuppte sich als absoluter Gewinn und hat uns sehr weitergeholfen, denn so konnten wir z.B. lesen, wo die Minibusse überhaupt hinfuhren oder welche Gerichte auf der Speisekarte standen.

Das Essen in Kirgisistan ist wirklich sehr fleischlastig

Uns war im Vorfeld der Reise bewusst, dass in Kirgisistan sehr viel Fleisch gegessen wird und dass es als Vegetarier somit nicht einfach werden würde. Aber unsere Erwartungen wurden übertroffen. Es glich einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen (auch unseren fehlenden Sprachkenntnissen geschuldet?) ein Restaurant zu finden, das auch Gerichte ohne Fleisch serviert bzw. dieses bei einem Fleischgericht im Rahmen der Zubereitung einfach weglassen konnte. Je größer das Restaurant, desto weniger war dies möglich. Bei kleinen Hinterhof Imbissbuden stießen wir dagegen öfter auf die Möglichkeit ein Gericht ohne Fleisch zubereitet zu bekommen.

Es gibt allerdings auch europäisch angehauchte Restaurants, wie z.B. das Fat Cat Café in Karakol. Diese Restaurants sind im Vergleich zu einheimischen verständlicherweise (deutlich) teurer.

Sollten alle Stricke reißen bieten die Märkte und Basare eine fantastische Auswahl an Obst und Gemüse, sodass man keinesfalls hungern muss. Auch die (frisch gebackenen) Brote sind überaus lecker.

Gaskartuschen in Kirgisistan

Wir hatten uns entschlossen, für unterwegs einen Gaskocher zu verwenden. Gaskartuschen darf man im Flugzeug nicht mitnehmen, weshalb wir vor Ort in Kirgisistan Gaskartuschen kaufen mussten. Im Vorfeld hatte ich mir für Bishkek und Karakol mögliche Läden und Trekkingveranstalter herausgeschrieben, bei denen ich hoffte, Gaskartuschen zu bekommen.

In Bishkek steuerten wir als erstes den Outdoorladen Red Fox an und wurden sofort fündig. Es gab dort Gaskartuschen in drei verschiedenen Größen. Wir haben die 220 g Version (mittlere Größe) für 400 SOM gekauft.

Evtl. weitere Möglichkeiten Gaskartuschen in Bishkek zu kaufen:
•Sport Expert
•Gergert Sport
•The Active Sector

Für Karakol hatte ich mir nachfolgende Orte zur Besorgung von Gaskartuschen notiert:
•Eco Trek
•CBT

Uns ist aufgefallen, dass in Hotels und/oder Jugendherbergen Gaskartuschen von Reisenden zurückgelassen werden, sodass man auch dort fündig werden kann.

Die Märkte und Basare bieten eine vielfältige Auswahl an Trockenobst und Nüssen

Solltest Du nicht das gesamte Essen für die Wanderung von zu Hause mitbringen bieten die Märkte und Basare in Kirgisistan eine große und vielfältige Auswahl an Trockenobst und Nüssen. Selbst in den größeren Supermärkten in Bishkek und Karakol bekommst Du Nussriegel und/oder Schokoriegel, sodass Du in Deinen Rucksack Produkte mit vielen Kalorien packen kannst.

Einsamkeit? Nicht rund um den Ala Kul See und in den Tälern Karakol bzw. Altyn Arashan

Wer bei seiner Wanderung so einsam wie möglich unterwegs sein möchte sollte die Täler beiderseits des Ala Kul Sees (Karakol Tal und Altyn Arashan Tal) meiden. An den zwei Tagen, an denen wir in diesen beiden Tälern unterwegs waren, trafen wir schätzungsweise 50 – 70 andere Wanderer pro Tag. Vor allem amerikanische Touristen, die nur mit kleinem Tagesrucksack unterwegs waren und eine Heerschar an Trägern, Köchen, etc. im Schlepptau hatten. Zum Vergleich: Nachdem wir Altyn Arashan hinter uns gelassen hatten trafen wir pro Tag 2 – 5 andere Menschen. Vornehmlich Deutsche und Schweizer.

Ferner waren die beiden erwähnten Täler auch unübersehbar mit Müll und Fäkalien (selbst mitten auf dem Wanderpfad) verschmutzt, was das Naturerlebnis deutlich trübte.

Im Gästehaus Elza im Altyn Arashan kann man wunderbar entspannen

Im Tal von Altyn Arashan gibt es heiße Quellen um die sich etliche Gebäude und/oder Jurtencamps gruppieren und die um die Gunst der Touristen buhlen (schon als wir uns näherten wurden wir von Mitarbeitern vom VIP Travel Camp bzw. Gästehaus Elza abgefangen). Etwas abseits, dennoch mit einem kleinen Bad, das durch eine heiße Quelle gespeist wird, liegt das Gästehaus Elza. Dort kann man zelten und selbst kochen oder in einem Mehrbettzimmer übernachten und sich bekochen lassen. Einen kleinen Laden gibt es ebenfalls und für 200 SOM pro Person kann man 40 Minuten in dem heißen Pool baden. Uns hat es dort sehr gut gefallen und es war eine Wohltat, nach fünf Wandertagen dort etwas zu entspannen und vor allem in einem trockenen Unterstand kochen zu können. Gerda hatte uns im Vorfeld der Wanderung bereits vom Gästehaus Elza und ihren positiven Erfahrugen berichtet und wir können diese nur bestätigen.

Stell Dich ab dem Nachmittag auf Gewitter (mit Hagel, Schnee und Sturmböen) ein

Abgesehen von drei Tagen konnten wir bei unserer 12-tägigen Wanderung Mitte August fast die Uhr danach stellen, wann Gewitter aufziehen: Zwischen 14 – 16 Uhr war es meist so weit, dass graue Wolken den Himmel verdunkelten, der Wind merklich auffrischte und es wenig später in dicken Tropfen anfing zu regnen oder sogar Hagel fiel. Nicht immer schafften wir es rechtzeitig, das Zelt aufzubauen, sodass wir an manchen Tagen nass bis auf die Unterwäsche wurden. Somit richte Dich darauf ein, dass Du eventuell nicht bis zum Sonnenuntergang wirst wandern können, es sei denn, Gewitter machen Dir nichts aus.

Nimm einen wasserdichten Packsack mit

Aufgrund des oben geschilderten Regenwetters ist es nicht verkehrt, für Sachen, die auf keinen Fall nass werden dürfen, einen wasserdichten Packsack zu haben. Unsere Schlafsäcke und das Müsli waren derart verpackt. Ferner sind so die Sachen auch vor Wasser geschützt, sollte man (oder Frau) einen unfreiwilligen Sturz bei einer Flussquerung machen.

Pack die Daunenjacke ein

Abends, bzw. sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden war und man sich im Schatten befand, wurde es merklich kühler. Oft ging zusätzlich noch Wind. Eine Daunenjacke kann bei diesen Bedingungen schnell für angenehme Wärme sorgen, weshalb es nicht verkehrt ist, eine einzupacken. Aufgrund der Wettervorhersage hatten wir uns entschlossen, unsere Daunenjacken in Deutschland zu lassen. Ein Fehler! Denn eine Daunenjacke war wirklich der einzige Gegenstand, bei dem ich es bedauert habe, dass ich ihn nicht dabei hatte. So blieb oft nur der frühe Rückzug ins windgeschützte Zelt und in den kuschlig warmen Schlafsack.

Die Nächte sind kalt – guter Schlafsack und/oder lange Unterwäsche

Nach einem anstrengenden Wandertag schlugen wir unser Zelt meist in Höhen von 3.000 m oder höher auf. Auch wenn wir manchmal am Tag in der Sonne 35 Grad Celsius hatten, so wurde es schnell kalt, sobald die Sonne hinter den umliegenden hohen Bergen verschwunden oder untergegangen war. In der kältesten Nacht herrschten gerade so Temperaturen über dem Gefrierpunkt im Zelt. Somit ist es nicht verkehrt einen Schlafsack zu haben, dessen Komforttemperatur im leichten Minusbereich liegt und/oder lange Unterwäsche. Bei der ganzen Wanderei braucht man einen erholsamen Schlaf, und wenn dieser durch kalte Füße oder einen ausgekühlten Körper verhindert wird, ist dies nicht förderlich für die weitere Wanderung.

Du zeltest auf (Kuh)Weiden

Vor der Wanderung im Tian Shan Gebirge hätte ich es mir nicht träumen lassen, dass wir fast ausschließlich auf Wiesen, die von Kühen, Ziegen, Schafen und Pferden genutzt werden, zelten würden. Selbst in 3.500 m Höhe war es stellenweise schwer, einen Platz für das Zelt zu finden, der nicht mit Ausscheidungen übersät war. Ferner muss man damit rechnen, dass die neugierigen Tiere auch gerne in der Apsis vom Zelt nachschauen, was es dort alles gibt. So wurde von einer Kuh ein Löffel unserer Freunde entwendet, dieser fand sich jedoch ein paar Meter entfernt wieder … angekaut versteht sich.

Sonnenschutz ist wichtig

Wenn die Sonne uns dann doch mal wohlgesonnen war wurde es schnell sehr warm, wenn nicht sogar heiß. Ohne Sonnencreme hätten wir uns sicherlich alle einen heftigen Sonnenbrand geholt. Ferner war ich sehr froh einen Sonnenhut zu haben, der großflächig meinen Kopf beschattete.

Nimm Elektrolytpulver mit

Bereits bei vergangenen Wanderungen haben wir festgestellt, dass wir uns deutlich besser fühlen wenn wir bei heißem sonnigen Wetter oder vor harten, kräftezehrenden Anstiegen Elektrolyte zu uns nehmen. Dies haben wir auch so beim Wandern in Kirgisistan gehandhabt und kamen so langsam aber stetig alle Pässe hinauf. Zudem hilft es, falls man das kirgisische Essen nicht gut vertragen hat.

Pack die Trekkingstöcke ein

Genauso hilfreich wie das zuvor erwähnte Elektrolytpulver waren die Trekkingstöcke. Wenn man einen schweren Rucksack geschultert hat ist es von Vorteil, wenn man sich auf Trekkingstöcke abstützen kann und diese für zusätzliche Standfestigkeit/Trittsicherheit sorgen. Vor allem, wenn man über ein Meer aus Felsen kraxeln oder einen Fluss furten muss oder Regen den Boden aufgeweicht und rutschig-matschig gemacht hat. Ganz zu schweigen davon, dass sie äußerst hilfreich sind, wenn man einen (steilen) Pass erklimmt und sich so mittels Armen noch etwas nach oben ziehen kann.

Die Wasserversorgung ist (eigentlich) kein Problem

In den Tälern, durch die wir wanderten, floss immer ein Fluss, sodass es hier mehr als genug Wasser gab. Allerdings beförderten die Flüsse sehr viel Sediment. Anders sah es mit der Wasserversorgung aus, je höher wir einen Pass aufstiegen. Hier gab es oft für mehrere hundert Höhenmeter und mehrere Kilometer Wegstrecke kein Wasser, da nicht selten in der Karte eingezeichnete Flüsse ausgetrocknet waren. Es ist somit ratsam, vor einem Pass die Wasserflaschen/Trinkblasen ordentlich zu füllen.

Dein Wasserfilter wird die Tour wahrscheinlich nicht überleben

Bei all unseren Wanderungen haben wir einen Wasserfilter dabei, da wir schon unzählige Male gesehen haben, wie Weidevieh in glasklare Flüsse gemacht hat oder verendete Tiere im Wasser lagen. Da wir auf einer Wanderung nicht mit Magen-Darm-Problemen zu tun haben wollen, filtern wir unser Wasser. Ob dies der Grund ist, weshalb wir bisher bei keiner Wanderung Magen-Darm-Probleme hatten, können wir trotzdem nicht mit Gewissheit sagen. Im Tian Shan Gebirge waren die meisten Flüsse alles andere als glasklar, da sehr viel Sediment mitgeführt wurde. Die Bäche und Flüsse waren regelrecht grau, und man konnte mit bloßem Auge deutlich die Partikel im Wasser erkennen. Leider hatten wir keinen Kaffeefilter als weiteren Vorfilter dabei, sodass unser Wasserfilter nach dieser Wanderung hinüber ist und wir eine neue Filterkartusche benötigen. Während der Wanderung haben wir versucht, den Filter in klarem Wasser zu spülen, wann immer es ging. Ansonsten hätte er schon während der Wanderung nicht mehr funktioniert.

Aufgrund der Höhe viel trinken

Auch wenn morgens die Wiesen und Zelte mit feinsten Wasserperlen oder Raureif überzogen waren und wir fast jeden Tag ab dem Nachmittag Gewitter hatten nahm die Luftfeuchte mit zunehmender Höhe ab. Dies bewirkt, dass man bei jedem Ausatmen mehr Feuchte (also Wasser) abgibt, was bei uns für trockene Nasen (beim Nassputzen auch mal Nasenbluten) und Augen sorgte. Weiterhin mussten wir öfter mal husten. Damit unsere trockenen Schleimhäute nicht zum Nährboden für Bakterien wurden versuchten wir so viel wie möglich zu trinken und erinnerten uns gegenseitig daran.

Unterschätze nicht die Höhenmeter, die man in der Höhe zurücklegen muss

Dies ist ein Punkt, an den ich bei der Planung zu Hause etwas naiv herangegangen bin. Ich sah im Vorfeld kein Problem darin, in Höhen von über 2.500 m noch zusätzlich über 1.000 m aufzusteigen. Vor Ort, im Tian Shan Gebirge, stellte sich dann heraus, dass mir merklich die Puste ausging und ich deutlich langsamer als erwartet vorankam, besser gesagt wir alle. Wir schafften je nach Art des Geländes um die 200 – 300 Höhenmeter pro Stunde. Dies und das bereits erwähnte schlechte Wetter trugen dazu bei, dass unsere Tagesetappen deutlich kürzer ausfielen und wir langsamer als erwartet vorankamen. Erst gegen Ende der Wanderung fielen mir die Pässe zusehends leichter.

Achte auf die Signale Deines Körpers in der Höhe

Jeder Mensch kommt unterschiedlich gut/schlecht mit der Höhe klar, weshalb Anzeichen einer Höhenkrankheit bereits ab 2.000 m auftreten können. Hierbei sind das Leitsymptom Kopfschmerzen, verbunden mit Müdigkeit, Übelkeit und/oder Appetitlosigkeit, die dadurch verursacht werden, dass der Sauerstoff-Partialdruck mit zunehmender Höhe sinkt, was zu einer verringerten Sauerstoffaufnahme und zu einer Verengung der Blutgefäße in der Lunge führt. Um keine gesundheitlichen Schäden davonzutragen ist es deshalb wichtig, dass man sehr sensibel und umsichtig auf die Signale seines Körpers achtet und lieber einen Tag Pause macht oder in eine geringe Höhe absteigt als eine Höhenkrankheit zu riskieren.

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

One Response

  1. Janine
    | Antworten

    Hello Thomas and Manu. Kyrgyzstan sounds amazing – glad you’re both back home safely. Janine

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