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Mit Staub bedeckt

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Staub umgibt mich, bricht sich im Licht, welches durch das Decken-Fenster fällt. Das Atmen fällt mir schwer und ein Hustenanfall schüttelt mich. Mühsam schwanke ich den langen Gang mit seinen unzähligen Türen entlang. Unter meinen Schuhsohlen knirscht es. Immer wieder muss ich anhalten, stütze mich an der Wand ab. Ich huste erneut, schlurfe dem Licht entgegen in der Hoffnung den Ausgang zu finden. Irgendwie schaffe ich es und stehe draußen, hinter mir ein riesiges Gebäude. Gierig saugen meine Lungen die frische Luft ein. Trotzdem ein neuer Hustenanfall und ich muss niesen. Erst jetzt im Hellen merke ich wie verstaubt ich bin, selbst im Mund habe ich einen belegten Geschmack und er ist ganz trocken. Langsam drehe ich mich um. Mein Blick wandert über das verfallene Gebäude.

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Ich befinde mich in einer Klinik, einer Lungenklinik. In der Vergangenheit wurden hier Lungenkranke untersucht, die sich mit Tuberkulose infiziert hatten. Ob Reste dieses lebensgefährlichen Bakteriums noch in den verlassenen Mauern vorzufinden sind? Wie gut waren damals die Quarantänemaßnahmen, wie steril wurde gearbeitet? Vielleicht ist das Bakterium mittlerweile mutiert und ich habe mich mit etwas Schrecklichem infiziert …

Ich habe noch nie einen gigantischeren und derart atemberaubenden Lost Place aufgesucht. Die Stimmung auf diesem 34 Hektar großen Areal stellt jeden Horrorfilm in den Schatten: jeden Moment könnten um die Ecke Zombies biegen oder aus den Kellergewölben auftauchen infiziert mit einem Superbakterium, welches zu einer europaweiten Seuche wird. Über 30 Gebäude gibt es im dichten brandenburgischen Wald zu entdecken, größtenteils Verfallen, da der Zahn der Zeit an ihnen nagte bzw. Wandalen ihr übriges taten. Dennoch gibt es vereinzelt Klinikmöbel/Utensilien zu entdecken und der allgegenwärtige Staub zusammen mit der Düsternis sorgt dafür, dass eine einzigartige Gänsehaut Atmosphäre herrscht. Mulmig wurde es mir, als ich durch einen langen Gebäudetrakt ging, der mit vergitterten Fenstern versehen war und auf dem Gang vergitterte Personenschleusen vorhanden waren. Dies erweckte alles andere als den Eindruck einer Klinik, vielmehr begann meine Fantasie um Gefangene zu kreisen.

Eine Recherche im Internet über den geschichtlichen Hintergrund lieferte die Erklärung für die vielen Vergitterungen: Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Heilstätte Grabowsee vom Deutschen Roten Kreuz errichtet und war die erste Lungentuberkulose-Heilanstalt Norddeutschlands. Im Zuge des ersten und zweiten Weltkrieges diente die Lungenheilanstalt als Kriegsgefangenenlager bzw. Kaserne. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Heilstätte als Baracke und Lazarett genutzt.

Es war ein aufregender Tag inmitten verfallener Geschichte.

 

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Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

2 Responses

  1. Markus
    | Antworten

    Deine bisher beste Bilderserie!

    • Thomas
      | Antworten

      Hey Markus!

      Freut mich, dass Dir die Fotos gefallen und dass Du dies als meine bisher beste Bilderserie ansiehst.
      Ich hoffe, dass wir im Rahmen der Weltreise noch ein paar spannende Lost Places entdecken werden.

      Viele Grüße

      THOMAS

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