/ / / / Island – Wanderung an der Küste von Arnarstapi nach Hellnar

Island – Wanderung an der Küste von Arnarstapi nach Hellnar

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Gut zwei Wochen waren wir bereits auf Island mit unserem eigenen Auto unterwegs. Dank des schlechten Wetters verbunden mit einigen Tagen Dauerregen, fuhren wir zügig von Seyðisfjörður, wo wir mit der Autofähre von Hirtshals (Dänemark) aus anlandeten, gegen den Uhrzeigersinn immer an Islands Peripherie entlang. Wir hatten bereits Vík, Reykjavik und den Golden Circle hinter uns gelassen mit dem Wissen, dass wir am Ende unserer Islandrundreise noch einmal hier vorbei kommen wollten, denn wir hofften, dass der nahende Sommer auch besseres Wetter für uns bereithalten würde! Nun waren wir in Ólafsvik angekommen, unserem Basislager auf der Snæfellsness Halbinsel für die nächsten Tage. Auf dem Weg zu unserem Campingplatz kamen wir an Búdir vorbei, wo wahrscheinlich Islands meist fotografierteste und gefilmte Kirche steht, und an Arnarstapi.

Arnarstapi ist ein kleines, verschlafenes Fischerörtchen. Neben ein paar bunten Häuschen und einem kleinen Hafen gibt es hier nicht viel mehr zu sehen, so scheint es. Doch spätestens die vollen Parkplätze lassen vermuten, dass dieser Schein trügt. Und so ist es auch, denn von Arnarstapi zum benachbarten Ort Hellnar führt eine beliebte, 3 km lange Küstenwanderung. Es geht vorbei an beeindruckenden Basaltsäulen, die im tosenden Meer stehen. An ihrem Verlauf kann man erkennen, wie früher einmal die Lava hier geflossen sein muss, denn die Basaltsäulen bilden sich immer senkrecht zum Lavafluss aus. Hunderte Vögel brüten geschützt an der Küste und schießen mit halsbrecherischen Flugmanövern über einen hinweg und ein großer, steinerner Troll – der Riese Bárdur Snæfellsás – muss passiert werden. Am Ende des Weges in Hellnar wartet ein kleines, gemütliches Café, in dem man sich bei frisch gebackenen Waffeln und anderen typischen Spezialitäten stärken kann.

Island Snaefellsnes Wanderung von Arnarstapi nach Hellnar
Farbkonstraste

Als wir an diesem Tage Arnarstapi erreichten war das Wetter ausgesprochen gut! Die Sonne wärmte uns mit ihren kräftigen Sonnenstrahlen, das Meer erstrahlte in einem tiefen blau und unzählige Vögel segelten über unsere Köpfe.

Wir hielten auf dem kleinen Parkplatz am Hafen an und liefen hinunter zur Aussichtsplattform. Dort fiel uns das kleine Häuschen an der Küste auf und es kam uns so ungewohnt vertraut vor. Wir waren vorher hier noch nie gewesen und doch kannten wir das Häuschen irgendwoher. Und dann fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Natürlich kannten wir das Häuschen, denn es war das Coverbild von unserem Reiseführer! Nur die Farben waren etwas anders, doch alles andere stimmte perfekt überein! Na die Wanderung fing ja schon mal gut an, wenn dieses Häuschen Pate stand für ganz Island! Aber der Fotograf hatte recht, diese Landschaft hier auf der Snæfellsness Halbinsel war wirklich schon sehr „isländisch“ – ein raues Meer, hohe, schneebedeckte Gipfel, weiße Häuschen, die in der Sonne leuchteten und sanft, grüne Wiesen. Nur die Islandpferde fehlten. Wir liefen noch den Weg hinauf bis zum Meer und wollten uns einen ersten Eindruck über diese Wanderung verschaffen. Bereits hier segelten und kreischten hunderte Eissturmvögel und Dreizehenmöwen über unseren Köpfen hinweg. Die Vögel brüteten überall an den steilen Küstenhängen. Ein unglaubliches Geschnatter und Gezeter herrschte hier vor, da die Flugakrobaten immer versuchten sich gegenseitig von den besten Plätzen zu vertreiben oder auf dem Meer auf die Jagd gingen.

Island Snaefellsnes Wanderung von Arnarstapi nach Hellnar
Regenbrachvogel

Leider begingen wir an diesem Tage einen großen Fehler, den man niemals – NIEMALS – auf Island machen sollte: wir entschieden, dass wir die Wanderung morgen unternehmen wollten. Es war bereits später Nachmittag, die Sonne stand tief und ungünstig für Fotos. Wir wollten morgen in aller Frühe wiederkommen, wenn wir die Sonne im Rücken hätten. Wie gesagt, so etwas macht man nicht in Island, denn man weiß nie, wie das Wetter sich verändern wird. Wenn man die Chance hat etwas im strahlenden Sonnenschein zu sehen, sollte man die Chance nutzen, schließlich kann man ja noch einmal ein weiteres Mal herkommen.

Aber wir waren Müde von der langen Fahrt hierher und so entschieden wir uns, weiter nach Ólafsvik zu fahren und zu schauen, ob wir dort unser Nachtlager aufschlagen könnten. Wie erwartet verschlechterte sich das Wetter über Nacht, sodass wir hier einen richtigen Sturmtag abwettern mussten. Es regnete waagerecht die ganze Nacht und den ganzen Tag. All die dicken Wohnmobile drückten sich so dicht an das kleine Häuschen des Platzes wie nur möglich. Trotzdem schaukelten sie noch immer im Sturm hin und her. Es war einfach ein scheußliches Wetter und es regnete wie aus Eimern. Der halbe Campingplatz stand knietief unter Wasser. Wer sich hier den falschen Platz für sein Zelt ausgesucht hatte kam nun in den Genuss eines Indoor-Pools. Doch so unangenehm das Wetter war, soviel Glück hatten wir doch, auf diesem komfortablen Campingplatz zu sein, denn dank netter Gesellschaft und einem trockenen Plätzchen war alles halb so schlimm.

Island Snaefellsnes Wanderung von Arnarstapi nach Hellnar
Eine Felssäule im Meer

Am nächsten Tag war das Wetter in Ólafsvik auch nicht viel besser, doch für die Südseite der Snæfellsness Halbinsel war Besserung vorhergesagt. Daher machten wir uns auf, um über den Pass zurück nach Arnarstapi zu fahren. Die Passstraße rüber auf die andere Seite der Halbinsel war schön und anstrengend zugleich … je nach Wetterlage. Entweder fuhr man durch eine schroffe Hochebene voller flechtenbewachsener Steine, Wasserfällen und kleinen Schutzhütten und hatte eine einmalige Fernsicht beim Runterfahren oder aber alles lag in dichten Wolken, die Temperatur fiel und fiel. Bei dieser Überfahrt hatten wir letztere Konditionen. Wir fuhren durch die dichten Wolken und hofften, dass es auf der anderen Seite aufklaren würde. Leider war dies nicht der Fall. Auch hier regnete es in strömen. Das war wirklich kein Wanderwetter. Nun gut, wir machten das beste aus der Situation und fuhren nach Hellnar, der anderen Seite der Wanderung, und testeten das kleine Café aus, denn einem guten Stück Kuchen sind wir selten abgeneigt. Das Café war recht klein. Es hatte gerade einmal Platz für 4 Tische. Dank der ganzen Regennassen Kleider war auch die Luftfeuchtigkeit drinnen sehr hoch, sodass alle Fenster beschlagen waren. Eigentlich wollten wir hier eine Weile das Regenwetter abwarten, Postkarten schreiben und unsere weitere Reise planen. Doch so probierten wir eine Waffel und fuhren dann wieder zurück auf unseren gemütlichen Campingplatz.

Doch auch das lästigste Regenwetter geht einmal vorbei, selbst auf Island. Und so nutzten wir den ersten schönen Tag und fuhren abermals nach Arnarstapi! Endlich gab es Sonnenschein und blauen Himmel. Es pfiff zwar noch ein kühler Wind aber das ist normal an den Küsten. Daher ergriffen wir dieses Mal unsere Chance und machten uns auf den Weg. Die Küstenlandschaft war wild und vielseitig und machte die Wanderung dadurch sehr kurzweilig. Wie erwähnt kann man hier neben einer rauen Basaltküste viele Vögel beobachten. Wir sahen, wie bereits zuvor, Eissturmvögel und Dreizehenmöwen an der Küste. Auf einem Teich auf der Wiese badeten die Seevögel sich das Salz aus dem Gefieder. Kleine Odinshühnchen rannten blitzschnell auf der Suche nach Insekten umher und über die Wiese schritten Regenbrachvogel und Goldregenpfeifer. Das vulkanische Gestein der Küste bot den verschiedensten Pflanzen Lebensraum, die hier geschützt wachsen und gedeihen konnten. Und über allem thronte in weiter Entfernung der Vulkan Snæfellsjökul unter seinem Panzer aus Schnee und Eis. Es war eine sehr schöne Wanderung und wir waren froh, dass das Wetter am Ende doch noch mitspielte.

Island Snaefellsnes Wanderung von Arnarstapi nach Hellnar
Kunst am Strand

In Hellnar angekommen aßen wir dieses Mal jedoch keinen Kuchen, denn das kleine Café war gerappelt voll. Stattdessen liefen wir auf den nahegelegen Betonsteg und beobachteten die Eiderenten im Wasser mit ihrem Küken. Und auch eine Robbe spielte mit dem Tang im Wasser. Das war wirklich ein toller Platz, vor allem da die Eiderenten bisher immer sofort vor uns Reiss-aus nahmen wenn wir näher als einige hundert Meter kamen. Hier jedoch fühlten sie sich scheinbar sicher – oder waren zusehr mit dem Aufpassen auf das letzte verbliebene lebhafte Küken beschäftigt – so dass wir sie in Ruhe beobachten konnten. Am Strand lebte auch ein Austernfischerpärchen, das Abwechseln immer los flog auf der Suche nach Muscheln und Schnecken. Es dauerte nur wenige Minuten, dann kam einer der beiden erfolgreich von der Jagd wieder. Und während der eine seine Beute am Strand gekonnt knacke, machte sich der andere auf den Weg. So wechselten sich die beiden unablässig ab

Als das Wetter langsam schlechter wurde und dunkle Wolken einen nahenden Regenschauer ankündigten, machten wir uns auf den Weg zurück nach Arnarstapi. Da der Küstenweg ein A nach B Kurs ist, ging es dementsprechend den selben Weg wieder zurück. Aber das war nicht schlimm, denn zum Einen waren es ja nur 3 km, zum anderen konnte man so die Küstenlandschaft noch einmal aus einer anderen Perspektive bewundern. Am Auto angekommen begann es zu regnen und wollte auch nicht mehr aufhören. So fuhren wir zurück zu unserem trockenen Lager in Ólafsvik und hofften, dass es bis zu unserer geplanten Waltour wieder besser werden würde. Außerdem war bald Midsommer und wir wollten doch den Kirkefjellsness – DEN Berg Islands – fotografieren, doch das sind wieder andere Geschichten, von denen wir euch ein anderes Mal erzählen wollen.

 

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Bereits seit früher Kindheit interessieren mich Reise- und Naturdokumentationen. Ich mag es die Welt zu entdecken, in ferne Länder zu reisen und in unsere Natur mit all meinen Sinnen einzutauchen.

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