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Die Falklandinseln – Ein Stück Britannien im Südatlantik

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In my heart there’s a call for the isles far away
Where the wind from the Horn often wanders at play.
Where the kelp moves and swells to the wind and the tide
And penguins troop down from the lonely hillside.

(Erste Strophe des „Song of the Falklands“, der inoffiziellen Nationalhymne)

Nun waren wir also schon zwei wundervolle Tage auf der MS Sea Spirit unterwegs. Wir starteten in Ushuaia zu unserem Abenteuer in die Antarktis. Vieles Spannende würde auf dieser Reise noch vor uns liegen und wir konnten es kaum mehr erwarten endlich Südgeorgien zu erreichen!

Doch bis dahin mussten wir uns noch etwas gedulden. Es war ersteinmal Zeit für unser erstes Ziel der Kreuzfahrt: die Falklandinseln! Hier verbrachten wir zwei erlebnisreiche Tage, voller Natur und Geschichte. Und von beidem gab es mehr als genug!

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Durch den Beagle Kanal

Gerade einmal 12200 km2 umfassen die 778 größeren und kleineren Inseln, die zum Gebiet der Falklandinseln gehören. Die beiden größten Inseln sind dabei West Falkland und Ost Falkland. Die Inseln liegen mitten im südatlantischen Ozean, gut 480 km von Südamerikas Küste entfernt und beherbergen knapp 3000 Menschen.

Nichtsdestotrotz war und ist dieses kleine Gebiet ein heiß umkämpfter Ort. Noch immer gibt es Konflikte zwischen Großbritannien und Argentinien über die Rechte an den Falklands oder, wie sie auf argentisch heißen, den Islas Malvinas. Dieser Konflikt endete 1982 in einem 10-wöchigen Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien, um die Gebiete der Falklandinseln, Südgeorgien und der südlichen Sandwichinseln. Argentinien verlor und die Inseln blieben britisches Überseegebiete.

Wir waren recht froh nach zwei Tagen auf hoher See wieder festen Boden unter unseren Füßen zu haben. Zwar hatten wir recht gutes Wetter und eine ruhige Überfahrt, doch bedeutete dies trotzallem 4-5 Meter hohe Wellen. Daran mußten wir Landratten uns ersteinmal gewöhnen!

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Land in Sicht

Während der Überfahrt gab es vom Expeditionsteam unzählige Vorträge über die Geschichte und Tierwelt der Falklandinseln, sodass wir es voller Vorfreude kaum erwarten konnten endlich selbst einen Fuß auf diese Inseln setzen zu können, um das Erzählte mit eigenen Augen sehen und erleben zu können.

Falklandinseln – Albatrosse auf West Point Island

Der erste Landausflug führte uns dabei nach West Point Island. Die Insel ist mit gerade einmal 12,5 km2 nicht gerade groß und dient in der heutigen Zeit als Schafsfarm. Doch neben sanften grünen Wiesen hat die Insel noch vieles mehr zu bieten! Was das genau ist verrät der alte Name der Insel, den in früheren Zeiten hieß sie auch „Albatross Island“!

Und genau solch eine Kolonie von Schwarzbrauenalbatrossen war unser heutiges Ziel! Knapp 400.000 Brutpaare gibt es hier auf den Falklandinseln und manchmal schaffen es diese Vögel sogar bis hinauf nach Helgoland. Sehr beeindruckend!

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Landung

Die Kolonie lag an einem steilen Kliff, an welches das windgepeitschte Meer tosend anbrandete. Albatrosse manövrierten gekonnt im Wind und schossen dicht über unseren Köpfen hinweg. Am Boden dagegen hatten es die sonst so grazil wirkenden Geschöpfe etwas komplizierter, aber das ist auch nicht verwunderlich, schließlich mussten die Flügel, mit Spannweiten von bis zu 2,40 Meter, ersteinmal verstaut werden. Und das zwischen hunderten von Artgenossen und zwischen mannshohen Büscheln aus Tussock Gras.

Es war gerade Brutsaison und so saß oder besser regelrecht trohnte immer einer der beiden Partner auf einem imposanten Nesthügel auf seinem Ei. Sobald sein Partner angeflogen kam, begrüßten sich beide lauthals, um anschließend ausgiebig zärtlich zu schnäbeln und sich gegenseitig das Gefieder zu putzen. Die Pärchen wirkten richtig verliebt.

Zwischen all dem Geschnatter und Gezeter saßen überall kleine Felsenpinguine. Auch sie waren am brüten aber wirkten gegen die eher aufgedrehten Albatrosse recht verschlafen. Doch wenn man bedenkt, dass diese kleinen, watschelnden Vögel, die so unbeholfen wirken, den ganzen Weg vom Meer hier hinauf auf die Klippen schaffen müssen, dann darf man sich hier oben auch verdienter Maßen ausruhen! Die Tiere zeigten überhaupt keine Scheu. Viel eher mussten wir sehr gut aufpassen, nicht ausversehen einen der kleinen Pinguine zu treten, wenn diese unverhofft zwischen dem hohen Gras und unseren Füßen hervorkamen und zu ihren Nestern watschelten.

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Er trohnt auf dem Stein

Diese gemischte Vogelwohngemeinschaft war für uns eines der Highlights von den Falklandinseln. So viele wunderschöne Tiere so hautnah erleben zu können war unbeschreiblich. Stundenlang hätten wir diesem Treiben zuschauen können. Auf dem Rückweg zu unserem Schiff machten wir Rast in dem idyllischen kleinen Häuschen von Kicki und Thiez Matzen, den zwei Bewohnern dieser Insel. Über die beiden könnte man ebenfalls stundenlang berichten, denn sie haben schon viel erlebt! Jahrzehnte lang lebten sie auf einem neun Meter langen Segelboot der „Wanderer III“, mit der schon vor ihnen die Hiscocks zweimal um die Welt segelten, und bereisten ebenfalls die Weltmeere. Danach verbrachten sie lange Zeit auf Südgeorgien und brachten ein Buch, eine photografische Dokumentation, über dessen Tierwelt heraus. Und nun leben sie auf West Point Island. In einem kleinen, idyllischen Haus mit großem, wilden Garten. Ein Paradies inmitten der sturmgepeitschten See.

Schon von weitem wehte der verführerisch, süßliche Duft von frisch Gebackenem zu uns herüber. Als wir das kleine Häuschen betraten, konnten wir unseren Augen kaum trauen: vor uns stand ein riesiger Tisch voll von den verschiedensten Leckereien. Kekse, Kuchen, Scones, selbstgemachte Marmelade. Alles war da und dazu gab es frisch gebrühten Kaffee oder Tee. Mit diesen süßen Köstlichkeiten in der Hand saßen wir in einer windgeschützten Ecke auf dem weichen Gras und ließen uns die Sonne auf den Pelz scheinen. „So lässt es sich doch aushalten!“, dachten wir völlig entspannt und ließen uns ins saftige Grün fallen.

Doch es gab noch mehr zu sehen und zu entdecken, schließlich war dies erst der Anfang einer grandiosen Reise. So machten wir uns auf und verließen dieses kleine Paradies auf der Suche nach Neuem, auf dem Weg zum weißen Kontinent.

Falklandinseln – Carcass Island

Der nächste Programmpunkt auf den Falklandinseln war Carcass Island, sage und schreibe ganze 19 km2 groß. Der Name lässt zwar schlimmstes vermuten, doch handelt es sich um ein kleines Naturparadies mit sanften Hügeln, rauen Klippen und weißen Sandstränden.

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Ginster und blaues Meer

Den Namen erhielt die Insel von der HMS Carcass, welche die Insel 1766 erkundete. Die Insel dient seit Jahrzehnten als Schaffarm. Nichtsdestotrotz gilt die Insel als ratten- und katzenfrei und somit als Paradie für Vögel.

Bei unserem Landausflug hatten wir Zeit die Küstenlandschaft der Insel ausgiebig zu erkunden. So streiften wir zuerst am felsigen Strandabschnitt entlang, auf der Suche nach Magellan-Pinguinen. Pinguine fanden wir keine, dafür leider Unmengen an Müll, vornehmlich angespülter Plastikmüll. Auch in den entlegensten Orten dieser Erde ist die Menscheit bereits angekommen – wenn nicht selbst dann auf alle Fälle ihr Müll … Furchtbar.

Anschließend setzten wir uns an den Sandstrand und genossen einfach die Natur. Wir schauten den Magellan-Pinguinen am Strand zu, wie sie elegant und einfach durch das Wasser schossen, wohingegen sie am Strand eher unbeholfen wirkend herumwatschelten.

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Ein einsamer Magellan Pinguin am Strand

Wir schauten den Truthangeiern zu, wie sie sich gegenseitig jagten und beobachteten die Falklandkarakaras beim Fliegen. Der Falklandkarakara gehört zu den seltensten Raubvögeln der Welt, kommt er doch nur an den Küsten der Falklandinseln und wenigen weiteren Inseln vor!

Falklandinseln – Gypsy Cove

Am nächsten Tag ging es weiter nach Ost Falkland, genauer gesagt nach Stanley, der Hauptstadt der Falklands. Doch bevor es in das kleine Städtchen ging, stand am Morgen ein Ausflug zur nahegelegenen Gypsy Cove auf dem Programm.

Gypsy Cove ist eine kleine Bucht, die zur Yorke Bay gehört. Yorke Bay liegt einige Kilometer außerhalb von Stanley auf einer kleinen Halbinsel. Das Gebiet ist berühmt für seine unberührten Strände, die als Brutgebiet für die Magellan-Pinguine dienen. In Gypsy Cove gibt es gut ausgeschilderte Wege, die einen über Natur und Geschichte informieren.

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Der Strand gehört den Pinguinen

Es war ein stürmischer Tag. Wolken zogen schnell an uns vorbei und Nieselregen wehte uns ins Gesicht. Ganz normales Wetter für die Falklandinseln. Als wir die Wege entlang liefen, lagen unter uns malerisch einsame Buchten. Türkisblaues, ja fast tropisch anmutendes, Meer. Unberührte, weiße Sandstrände eingerahmt von satt-gelbem, blühendem Ginster. Die ganze Kulisse zusammen mit dem rauen Wetter erinnerte uns stark an Irland oder die britischen Küsten. Gerne wären wir hinunter gestiegen, um uns am weißen Sandstrand zu entspannen. Doch so malerisch die Küsten auch aussehen, so gefährlich sind sie.

Überall warnen Schilder und der gesamte Strandbereich ist großräumig eingezäunt. Vor was gewarnt wird? Wilden Tieren? Gefährlichen Strömungen? Giftigen Pflanzen? Nein, alles falsch, denn das Gefährliche sind hunderte von alten Minen aus der Zeit des Falklandkrieges. Wegen der strategisch günstigen Lage der Yorke Bay wurden die gesamten Strände schwer vermint. Mit Personen- und Panzerabwehrminen. Keiner weiß genau, wo die Minen vergraben sind, da sie sich über die Jahre hinweg im Sand bewegt haben. Eine Entfernung wäre zu teuer, zu aufwendig.

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Der Brutfelsen der Nachtreiher

Und nun sind die Strände, die früher der Bevölkerung als Erholungsgebiet dienten, militärisches Sperrgebiet. Nur die Natur hält Stück für Stück wieder Einzug und die Pinguine erhielten so ein geschützes Naturparadies, in dem sie ungestört brüten und leben können. So hat, wie vieles im Leben, immer alles zwei Seiten … Wobei ich mich frage, ob ein Pinguin eine Mine auslösen würde …

Neben der rauen, dennoch wunderschönen Landschaft und den Magellan-Pinguinen, sahen wir noch eine Kolonie Nachtreihern, die Wind und Wetter trotzend, auf einem Felsen brüteten. Nach diesem Ausflug zu Gypsy Cove ging es für uns in die Stadt nach Stanley.

Falklandinseln – Die Hauptstadt Stanley

Stanley ist die Hauptstadt der Falklandinseln. Die kleine Hauptstadt umfasst knapp 3000 Einwohner. Und obwohl die Stadt ganze 12656 km von London entfernt ist, könnte es britischer kaum sein!

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Ist das nicht auch typisch britisch

Überall stehen die typischen, schmalen Backsteinhäuser. Der Rasen in den kleinen Vorgärten ist natürlich akkurat geschnitten. An der Ecke steht eine rote Telefonzelle und vor der Post, wie sollte es anders sein, der runde, rote Postbriefkasten. Die Leute sprechen ein perfektes Schulenglisch und bezahlt wir natürlich mit Pfund … wenn auch mit dem Falkland Pound. Nur der rote Doppeldeckerbus fehlte.

Wir schlenderten durch die Straßen und ließen diese Stückchen England, fernab der Heimat inmitten des südatlantischen Ozeans, auf uns wirken. Wir nutzten die Chance uns hier für teures Geld (schließlich muss alles über weite Strecken importiert werden) Sonnencreme LSF 50+ nachzukaufen. Unsere 30+ Sonnencreme bot nicht ausreichend Schutz, da wir noch früh in der Saison unterwegs waren und somit das Ozonloch noch direkt über uns trohnte.

Falklandinseln Falklands Islas Malvinas
Die Kirche in Stanley

Nach unserem Stadtbummel suchten wir uns ein nettes Café, tranken einen Kaffee und schrieben Postkarten, während der Boden noch immer unter unseren Füßen zu schwanken schien.

Auf zu neuen Ufern

Unsere Zeit auf den Falklands verging wie im Fluge. Zuviel gab es zu sehen, zuviel Neues haben wir erlebt. Und ehe wir uns versahen, waren wir bereits auf dem Weg nach Südgeorgien. Ein großer Wunsch, ja gar Traum, sollte damit für uns in Erfüllung gehen. Doch dies ist eine andere Geschichte, über die wir ein anderes Mal berichten wollen.

 

Verfolgen Manuela:

Bereits seit früher Kindheit interessieren mich Reise- und Naturdokumentationen. Ich mag es die Welt zu entdecken, in ferne Länder zu reisen und in unsere Natur mit all meinen Sinnen einzutauchen.

One Response

  1. Notker
    | Antworten

    Hallo Thomas,
    offensichtlich ist die NOWALA-Mütze sogar Antarktis-tauglich, da wird sich Sabine aber freuen :-)

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