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Wie unterscheidet man einen Schwarzbären von einem Grizzly

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Sechs Monate waren wir in Nordamerika unterwegs. 6 Monate in denen wir uns im Land der Bären bewegten – sei es sicher mit dem Auto, hautnah mit dem Boot oder auf gleichen Pfaden zu Fuß.

Natürlich blieben sie nicht aus, die Begegnungen mit den pelzigen Zeitgenossen, ob gewollt bei einer Tour oder zufällig bei einer Wanderung. Doch nie begegneten uns die Bären ungehalten, nie aggressiv. Im Gegenteil, im Normalfall meidet Meister Petz die Konfrontation mit dem Menschen. Natürlich muß man sich dafür aber auch an bestimmte Verhaltensregeln halten, um die Bärbegegnung zu einem einmaligen Erlebnis werden zu lassen.

Doch dazu ist es natürlich auch wichtig zu wissen, wie man einen Schwarzbären von einem Braunbären unterscheiden kann! Ist ein Grizzly immer braun und ein Schwarzbär immer schwarz? Die Antwort wollen wir Dir in diesem Artikel geben.

Das Fell

Es könnte so einfach sein – ein Braunbär ist braun und ein Schwarzbär ist schwarz. Sonst würden sie ja schließlich nicht so heißen – oder doch nicht? Leider ist es nicht ganz so simpel und daher gilt als ganz wichtige Aussage: Die Farbe des Fells ist kein ausreichendes Unterscheidungsmerkmal!

Alaska Denali National Park Grizzly
Ein fast schwarzer Grizzly

Die Fellfarbe von Schwarzbären reicht von schwarz bis weiß – den sogenannten Spiritbears (oder auch Kermodebären, Geisterbären oder Mooksgm`ol genannt)! Alle möglichen Abstufungen an Brauntönen können dabei vorkommen und sogar bläulich erscheinendes Fell ist dabei möglich!

Das selbe gilt ebenfalls für Braunbären. Auch hier gibt es alle Fellfarben von dunklem, fast schwarz erscheinendem Braun bis hin zu cremefarbenen, fast weiß erscheinenden Braunbären.

Kanada Knight Inlett Grizzly
Ein sehr heller Grizzly

Der einzige Unterschied ist, dass Schwarzbären ein glattes Fell haben, während Grizzlies ein eher gekraustes Fell mit gräulichen bzw. helleren Spitzen (engl. grizzled = gräulich) besitzen. Doch dies ist zum Einen kein einfaches Unterscheidungsmerkmal und vor allem kein sicheres! Denn wer möchte einem Bären schon so nahe kommen?

Yosemite National Park Schwarzbär
Ein brauner Schwarzbär

Die Größe und das Gewicht

Ein besseres Merkmal ist da schon die Größe, denn Braunbären sind im ausgewachsen Zustand um einiges imposanter als Schwarzbären.

Schwarzbären erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 0,9 m und eine Länge zwischen 1,4 – 1,8 m. Damit erreichen sie ein Gewicht zwischen 40 – 270 kg.

Braunbären dagegen sind um einiges massiger. Sie erreichen Schulterhöhen bis zwischen 0,9 – 1,5 m und eine Länge zwischen 1,8 – 2,6 m. Damit können sie locker ein Gewicht zwischen 110 – 530 kg (selten bis 750 kg) erreichen.

Aber sieht man nun einen ausgewachsenen Schwarzbären oder ist es doch ein junger Grizzly? Größe und Gewicht sind daher ebenfalls keine eindeutigen Unterscheidungsmerkmale!

Der Kopf

Die Kopfform kann einem dagegen schon einen guten Hinweis darauf geben, um welchen Bären es sich handelt!

Schwarzbären haben eine längere Schnauze als Braunbären. Dadurch besitzen Grizzlies eher dieses typische Teddybärengesicht.

Alaska Denali National Park Grizzly
Kopf eines Grizzlys

Auch die Ohren unterscheiden sich bzw. besser deren Größe im Verhältnis zum Kopf. Schwarzbären haben relativ große, gut erkennbare Ohren, während Braunbären viel kleinere, sehr rundliche Öhrchen beisitzen.

Kanada Alaska Highway Schwarzbär Kopf
Kopf eines Schwarzbären

Wenn man schon einige Bären sah, sind diese Merkmale eine gute Unterscheidungshilfe aber sie benötigen wohl etwas Erfahrung bzw. Übung.

Der Rücken

Das beste und sicherste Unterscheidungsmerkmal ist der prominente Hügel, den nur Braunbären besitzen. Dieser sitzt zwischen den vorderen beiden Schulterblättern und ist auch von Weitem gut ersichtlich.

Alaska Denali National Park Grizzly
Grizzly mit charakteristischem Hügel zw. Schultern

Dabei spielt Alter oder Geschlecht der Braunbären keine Rolle – jeder besitzt den Schulterbuckel. Daher kann man ganz einfach sagen: ist ein Schulterhügel zu erkennen handelt es sich um einen Braunbären. Sieht man keinen, ist es ein Schwarzbär – ganz gleich welche Größe oder Fellfarbe der Bär hat!

Kanada Alaska Highway Schwarzbär
Seitenansicht Schwarzbär

Die Spuren

Nun hat man natürlich nicht immer das Glück (oder Pech?) einem Bären in freier Wildbahn zu begegnen. Viel häufiger sieht man nur seine Hinterlassenschaften, seien es Pfotenabdrücke oder Kothaufen.

Bei den Pfotenabdrücken ist die Unterscheidung relativ einfach, da man nicht auf die Größe angewiesen ist – wie wir ja wissen variiert diese schließlich mit Alter und Geschlecht! Ein gutes Merkmal dagegen sind die Abdrücke der Zehen und Krallen.

Die Abdrücke von Schwarzbären weisen kleine Krallenabdrücke auf. Diese sind kleiner als die Länge der Zehen. Des Weiteren liegen die Abdrücke der Zehen nicht auf einer Linie. Viel mehr bilden diese einen Bogen. Würde man also versuchen, die Zehen mit einem waagerechten Schnitt abzuschneiden, würde man den kleinen Zeh nicht mit erwischen.

Anders bei den Grizzlies. Hier liegen alle Zehen direkt auf einer Höhe in gerader Linie. Zusätzlich sind die Krallen viel größer und hinterlassen damit deutliche Spuren.

Leider sind Pfotenspuren oft nicht gut erhalten und sehr abhängig vom Untergrund und wieviele Leute hier bereits entlang liefen.

Kanada Waterton Lakes National Park
Grizzlykot

Viel häufiger findet man dagegen Kothaufen. Leider ist dieser bei beiden Bären äußerst variabel in Abhängigkeit vorhandener Nahrungsressourcen. Er kann fast nur aus Beeren bestehen und dadurch bunt gefärbt sein. Oder man findet die Überreste von Fell, wenn der Bär erfolgreich beim Jagen war oder Wölfen ihren Riß abspenstig machen konnte.

Es läßt sich daher nur sagen: je Größer der Haufen, desto Größer ist die Wahrscheinlichkeit, das er von einem Grizzly stammt.

Fazit

Das Unterscheiden von Schwarz- und Braunbären ist nicht schwer – wenn man den Schulterhügel sieht. Andere Merkmale dagegen sind unsicherer bzw. benötigen mehr Übung / Erfahrung.

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

2 Responses

  1. Michael Auras
    | Antworten

    Hallo Thomas, wie immer ganz tolle Bilder und gut beschrieben. Einen Unterschied gibt es noch. Schwarzbären können auf Bäume klettern, Braunbären nicht. Wenn also ein Schwarzbär hinter Dir her ist bringt es gar nichts, wenn Du auf die Bäume flüchtest ;-)
    Ich hoffe es geht Euch gut und das wärmere Klima tut Euch nach der Kälte im Norden gut.
    Ganz liebe Grüße aus dem nasskalten Sauerland

    • Thomas
      | Antworten

      Hallo Michael,

      mit dem Klettern hast Du recht. Allerdings gibt es noch folgende Ergänzung: auch junge Grizzlys können auf Bäume klettern.

      Die Wärme tut uns gut :-)

      Viele Grüße aus Moab

      Thomas

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