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Der schwarze Fluch Neuseelands

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Jeder Neuseeland-Reisende wird ihnen früher oder später begegnen: kleinen, nur circa 3 mm großen, schwarzen Fliegen. Sie treten gerne in Schwärmen auf und haben das Potential einen in den Wahnsinn zu treiben! Die Rede ist von Sandflies oder auf Maori „Te Namu“, die an vielen Orten in Neuseeland anzutreffen sind … und zwar meistens immer dort, wo es am schönsten ist!

Sandflies gehören, wie Moskitos oder Fliegen, zu der Gattung Diptera (Zweiflügler)  und zur Familie der Simuliidae. Sandflies stechen dabei nicht wie »herkömmliche« Moskitos. Vielmehr beißen sie die Haut auf, warten bis Blut und Lymphe hervorkommt und saugen diese dann auf. Diese Art der Nahrungsaufnahme bezeichnet man als „Poolsauger“. Um die Gerinnung des Blutes innerhalb dieses Pools zu verhindern, sondern sie dabei mit ihrem Speichel verschiedene Proteine ab. Diese sind auch der Grund, weshalb die Sandflies so nervig sind, denn die meisten Menschen reagieren darauf mehr oder weniger stark allergisch.

Nur die weiblichen Sandflies beißen, da sie die Blutmahlzeit für die Eiproduktion benötigen. Die Männchen dagegen sind strikte Vegetatrier. Die Weibchen beißen dabei vermehrt am Morgen bzw. am Abend. Das liegt daran, das morgens die frisch geschlüpften und dementsprechend hungrigen Jungtiere unterwegs sind, während abends vorallem die ausgewachsenen Weibchen, hungrig nach der Eiablage am Tage, auf Beutezug sind. Man sollt diese Zeiten also am besten meiden! Des Weiteren müssen Sandflies, im Gegensatz zu Moskitos, ihre Beute sehen, um beißen zu können. Somit wird man wenigstens Nachts bzw. im Dunklen von den Plagegeistern in Ruhe gelassen. Ein weiterer Vorteil gegenüber Moskitos: meistens bleiben Sandflies draußen und folgen einem nicht ins Zelt / Auto / etc..

In Neuseeland gibt es gleich 13 Arten dieser nervigen Gesellen – doch zum Glück beißen nur zwei davon nämlich die „New Zealand Blackfly“ (Austrosimulium australense) und die „West Coast Blackfly“ (A. ungulatum). Da man beide Arten jedoch mit dem bloßem Auge nicht unterscheiden kann, ist dies den geplagten Leidtragenden wohl eher egal.

Wie bereits erwähnt, treten die Sandflies gerne dort auf, wo es schön ist und so findet man sie in großen Massen vorallem im Fjordland der Südinsel wie z.B. im Milford Sound oder im Doubtful Sound. Die Maori haben dafür folgende Erklärung:

Als Tū te Rakiwhanoa die Fjorde erschuf, war sein Meisterwerk  Piopiotahi – der Milford Sound. Als die Göttin des Todes, Hine-nui-te-po, die Arbeit von Tū te Rakiwhanoa begutachtete, hatte sie Angst, dass die Menschen beim Anblick der Schönheit dieses meisterhaften Fjordes vergäßen, dass sie Sterbliche waren und Arbeiten müssen. Daher schuf sie Te Namu, die Sandflies, damit die Menschen nicht faul waren und in Bewegung blieben.

Das es sehr viele dieser kleinen Blutsauger im Fjordland gibt zeigen auch folgende zwei Beispiele: Der Doubtful Sound hätte 1851 von Kapitän John Lort Stokes fast den Namen „Venom Point, Sandfly Bay oder Bloodsuckers Sound“ bekommen hätte. Und auch Kapitän Cook schrieb 1773: „The most mischievous animal here is the small black sandfly which are exceeding numerous … wherever they light they cause a swelling and such intolerable itching that it is not possible to refrain from scratching and at last ends in ulcers like the small Pox.“

Das Problem mit den Blutsaugern ist also nicht neu! Doch was tun, wenn man von einer Sandfly gebissen wird? Auf alle Fälle sollte man es vermeiden zu kratzen, denn sonst juckt es erst richtig. Außerdem erhöht sich durch das Kratzen die Chance, dass sich die Bisse entzünden. Auch Tage nach dem Biss sollte man bloß nicht kratzen, denn dann fängt das Jucken wieder von Neuem an. Schafft man es, die erste halbe Stunde die Finger von dem Biss zu lassen, schwellen die Bisse weniger stark an und hören bald auf einen zu nerven. Außerdem sollte man die Sandflies nicht erschlagen sondern eher abstreifen, wie uns der Ranger der Iris Burn Hut vom Kepler Track erzählte, da durch das Zerdrücken der Sandflies Stoffe freiwerden, die weitere Tiere erst recht anlocken.

Am besten und einfachsten gegen Sandflies helfen noch immer lange Anziehsachen. Des Weiteren sollte man es vermeiden in der Morgen- oder Abenddämmerung draußen zu sein, da zu den Zeiten die meisten hungrigen Sandflies unterwegs sind. Und wie die Sage der Maori schon feststellte: es hilft in Bewegung zu bleiben, denn Sandflies beißen selten sich bewegende Ziele. Ebenso hilft das altbewährte Mittel DEET, was wir allerdings vermieden haben zu benutzen. Uns wurde berichtet, dass die Mittel, welche DEET in einer für Babies bzw. Kleinkinder verträglichen Konzentration enthalten nichts helfen. Deshalb hatte sich diese Familie für das Auto bzw. den Kinderwagen extra zwei Mückennetze angeschafft.

Alles in allem sind Sandflies nervige kleine Plagegeister, die einem so manchen schönen Ort vermiesen können, doch so schlimm wie Moskitos fanden wir sie trotzdem nicht. Sie waren bei unserem Aufenthalt kein Vergleich zu der Plage beim John Muir Trail oder in Grönland. Trotzdem waren wir immer froh, wenn es keine Sandflies gab, sei es wegen dem Wetter (zu heiß oder zu windig) oder weil wir bereits in das Auto geflüchtet waren. Sandflies gehören nun einmal leider zu Neuseeland dazu, sodass jeder früher oder später Bekanntschaft mit ihnen machen wird … daran muss man sich einfach gewöhnen. Wenigstens entschädigt einen die Schönheit des Landes jeden Tag aufs Neue für die unzähligen Bisse! Daher bleibt unser abschließender Rat leider nur: Augen zu und durch …

 

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

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