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Lohnenswerte Alternative zu den Lofoten: die Insel Senja

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Die Lofoten gelten als eines DER Highlights von Norwegen: schroffe, steil ins Meer abfallende Berge, schmale Fjorde und kleine, verschlafene Fischerdörfchen. Kein Wunder, dass Jahr für Jahr unzählige Touristen die Inseln als ihr Reiseziel auswählen. Dementsprechend voll kann es auf den Lofoten zugehen. Weniger bekannt doch keinesfalls minder wild und schön ist die Insel Senja. Auch hier findet man alles, was man von Norwegen kennt oder erwartet: eine alpin anmutende Bergwelt, schmale Fjorde in denen sich kleine Dörfchen verstecken, einsame Buchten mit traumhaften Stränden, die zum Baden einladen, weite Tundra, die sich im Herbst wunderschön verfärbt und zum Moltebeeren sammeln einlädt und noch vieles andere mehr.

Ein richtiges Paradies also für alle Norwegen-Liebhaber (oder die, die es noch werden wollen), Natursuchende und vor allem Wanderbegeisterte. Und das alles fernab des Massentourismus und trotzdem leicht zu erreichen. Was will man mehr? Für uns jedenfalls wurde Senja zu unserem persönlichen Highlight, wo wir fast zwei Wochen verbrachten.

Norwegen Senja Panorama
Blick auf die Inselwelt bei Hamn i Senja

Die Insel Senja – ein Überblick

Senja ist die zweitgrößte Insel Norwegens und befindet sich gut 350 km nördlich des Polarkreises. Die Insel liegt auf 69 Grad nördlicher Breite im Europäischen Nordmeer, einem Randmeer des Atlantischen Ozeans. Doch dank des Golfstroms ist das Klima trotz der nördlichen Lage vergleichsweise mild. Nur rund 8000 Bewohner zählt die 1600 Quadratkilometer große Insel. Die meisten Besucher kommen in den Sommermonaten auf die Insel (Juni bis September), denn dann kann es hier – an windgeschützten Stellen – schon mal T-Shirt-Wetter geben. Dabei sind die meisten Touristen vermutlich eher im Norden der Insel unterwegs, denn hier zeigt sich die Insel von ihrer rauen, zerklüfteten Seite mit unzähligen Meeresarmen. Der Süden dagegen gibt sich gemütlicher mit saftigen Kuhwiesen und Landwirtschaft.

Wie komme ich am Besten auf die Insel?

Um auf der Insel unterwegs zu sein empfiehlt sich auf alle Fälle ein Auto oder Camper bzw. ein Fahrrad. Öffentliche Verkehrsmittel sind eher spärlich gesät. Auf dem Landweg erreicht man Senja am einfachsten über die E6 und fährt dann weiter die RV86 nach Finnsnes. Von hier gibt es eine Brücke rüber zur Stadt Silsand und damit nach Senja.


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Der höchste Berg Senjas ist der Breitenden. Von dessen Gipfelplateau hat man eine einmalige Fernsicht mit einem 360° Panorama über die Bergwelt Senjas. Wir wussten zwar, dass wir nur 1001 Meter hoch waren, doch fühlte es sich in diesem Moment und mit dieser Aussicht um einiges höher an. [Weiterlesen]

10 Tage verbrachten wir spontan auf der Insel Senja. Das war so nicht geplant, doch die Insel mit ihrer Fjord- und Bergwelt, welche man vor allem im Westen findet, zog uns einfach sofort in ihren Bann. Wir bestiegen sieben Gipfel an sieben Tagen auf Senja, die wir euch hier in kurzer Form zeigen möchten. [Weiterlesen]

Der Wanderführer „Turbok for Senja og Midt-Troms“ ist durch zahlreiche Fotos nicht nur schön zum Anschauen, sondern ist durch seine Karten und Beschreibung (ausschließlich auf norwegisch) auch ein ausgezeichnetes Tourenbuch. Auf über 300 Seiten deckt der Wanderführer nicht nur die komplette Insel Senja ab, sondern auch den mittleren Teil der Kommune Troms. [Weiterlesen]


Eine weitere Möglichkeit ist die Anreise mit Fähren. Diese verkehren zum einen zwischen Gryllefjord und Andenes und verbinden so Senja mit den Vesterålen, zum anderen gibt es eine Fähre zwischen Botnhamn und Brensholmen (Kvaløya), von wo aus es nur noch gut 56 km bis nach Tromsø sind. In Tromsø befindet sich auch der nächstgelegene größere Flughafen.

Senja – unsere Route mit dem Auto

Wir verbachten 12 Tage auf Senja. Dabei folgten wir von Silsand der kleinen Straße 861 bis diese wieder auf die RV86 führte und weiter bis nach Gryllefjord, von wo aus wir mit der Fähre nach Andenes übersetzten. Somit fuhren wir die gesamte nordöstliche Peripherie der Insel ab. Eine sehr lohnenswerte Tour. Wir sahen Botnhamn, Husøy, Mefjordvær, Skaland, Senjahopen, Hamn i Senja, Torsken, Gryllefjord und noch einige kleine Örtchen mehr. Doch unser Hauptaugenmerk lag immer auf den Gipfeln von Senja.

Senja – vielfältige Übernachtungsmöglichkeiten

Da Senja touristisch noch nicht so stark überlaufen ist wie die Lofoten, gibt es dementsprechend auch ein etwas geringeres Angebot an Unterkünften. Nichtsdestotrotz wird man natürlich bei der Hotelsuche im Netz fündig.

Eine günstigere Alternative stellen Camping- und Wohnmobilstellplätze dar. Hier gibt es zum Beispiel einen wunderschönen kleinen kostenpflichtigen Platz auf der Insel Husøy im Øyfjorden. Und wenn man schon hier ist, empfiehlt sich ein Abstecher zu dem kleinen, gemütlichen Café im Ort, wo es köstliche Leckereien gibt.

Norwegen Senja Husoy Cafe
Das gemütliche Cafe Den lille Perle

Eine andere Möglichkeit bieten kostenfreie Stellplätze wie z.B. am Ersfjordstrand. Hier gibt es Wiesen, Bänke, Feuerstellen, kalte Duschen, Meerzugang zu einem tollen, weißen Sandstrand und ein architektonisch eindrucksvolles Toilettenhäuschen, das golden in der Abendsonne erstrahlt. Jedoch ist der Platz recht beliebt und dementsprechend voll. Obwohl er direkt an der Straße liegt ist es (nachts) nicht sehr laut, da sich der Verkehr auf Senja meist sehr in Grenzen hält. Der Platz ist sowohl für Camper als auch für Radfahrer mit Zelt gut geeignet.

Egal wo und wie man hier auf der Insel oder sonst wo in der freien Natur übernachtet, wichtig ist immer: Haltet euch an die vorhandenen Regeln und Gebote, zeigt Respekt vor anderen und der Natur und natürlich hinterlasst keinen Müll! Aber das sollte selbstverständlich sein, oder?

Senja – Einkaufsmöglichkeiten

Großeinkäufe erledigt man am besten direkt in Finnsnes, denn hier gibt es alles vom großen Supermarkt über Apotheken bis hin zu Kinos und Lokalen. Ansonsten gibt es in vielen Orten oft einen kleinen Einkaufsladen (z.B. Jokers), in dem man die grundlegenden Dinge erhält, jedoch meist etwas teurer.

Senja – Sehenswürdigkeiten

Auf Senja gibt es einiges zu entdecken. Zum einen ist die Fahrt an sich schon ein Erlebnis dank zahlreicher Tunnel, die in den schroffen Fels gehauen wurden. Oft sind diese einspurig (natürlich mit markierten Ausweichbuchten) und unbeleuchtet. Doch dank des ruhigen Verkehrs ist dies selten ein größeres Problem, auch wenn es natürlich den Adrenalinspiegel hoch treiben kann. Zusätzlich gibt es ein paar wunderschöne Rastplätze auf der Route zu bestaunen. So zum Beispiel den Rastplatz in Ersfjordstrand mit seinem dreieckigen goldenen – und wohl im Bau recht teuer gewesenem – Toilettenhäuschen. Ein weiterer Rastplatz in Bergbotn wartet mit einer 44 m langen Plattform auf, von welcher man einen einmaligen Ausblick genießen kann. Und in Tungeneset kann man einem Holzsteg hinunter ans Meer folgen und so den Blick über das Okshornan Gebirgsmassiv genießen.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die kleinen Orte auf der Insel wie z.B. Husøy oder das fast tropisch anmutende Hamn i Senja. Es gibt zahlreiche Museen und einen übergroßen Troll (Senjatrollet) zu bestaunen. Doch die wahren Sehenswürdigkeiten – unserer Meinung nach – sind die Natur- und Bergwelt Senjas.

Senja – ein Paradies vor allem für Wanderer

Wir sind relativ unvorbereitet auf Senja gelandet. Wir hörten von der schönen Natur und das man von Gryllefjord sehr bequem nach Andenes gelangen könnte, denn unser nächstes Reiseziel waren die Vesterålen. Reisende, die wir auf Senja trafen, empfahlen uns dann das kleine, gemütliche Café „Den lille Perle“ mit den leckeren Kuchen auf der kleinen Insel Husøy. Wer uns kennt, der weiß, dass wir kleine Leckermäulchen sind und so ließen wir uns diesen Tipp nicht entgehen und das war gut so! Denn hier fanden wir das Wander- und Tourenbuch „Turbok for Senja og Midt-Troms“.

Dies war ein absoluter Glücksfall, denn das Buch war fantastisch. Zwar ist es nur in norwegischer Sprache erhältlich aber dank guter Fotos und Karten trotz allem verständlich. Leider konnte man das Buch hier auf Husøy nicht kaufen und so fuhren wir zurück nach Finnsnes und fanden dort ein letztes Exemplar in einer Buchhandlung im Einkaufszentrum. Gut 400 NOK kostet das Buch, doch dies ist es wert. Hätten wir genügend Zeit gehabt, wir hätten am liebsten jede Route aus dem Buch erwandert! Doch so mussten wir uns auf einige, ausgewählte Routen beschränken. Eine Übersicht über unsere Wanderungen und unsere Erfahrungen findest Du unter folgendem Link.

Norwegen Senja Grytetippen
Aussicht vom Grytetippen

Zum Wandern auf Senja ist zu sagen, dass es schon etliche einfache Wanderungen gibt aber für die Mehrzahl muss man über eine gute Kondition, Schwindelfreiheit (ich sage nur: Vom Gipfel einen Stein ins 600 m tiefer liegende Meer werfen können), keine Angst vor nassen Füßen und Kletterfertigkeiten (jedoch ohne Ausrüstung) verfügen. Vor allem für Wanderungen zu Gipfeln über 600 m Höhe sind diese Kletterfertigkeiten gefragt und man sollte in der Lage sein selbständig Routen zu finden. Der Mühe Lohn – wenn denn das Wetter mitspielt, was im hohen Norden sehr unberechenbar sein kann – sind atemberaubende Aussichten!

Wer es etwas länger mag, der hat zudem noch die Möglichkeit den Wanderweg „Senja på langs“ – also Senja der Länge nach – zu durchwandern. Auf diesem Wege kann man auf einer gut 70 km langen Wanderung Senja hautnah erleben mit all seinen Mooren, Wiesen, Ebenen und Bergen.

Senja – unser Fazit

Die Insel Senja mit ihrer wunderschönen Natur, ihrer Abgeschiedenheit und Ruhe, vor allem aber mit den spektakulären Wandermöglichkeiten, war das Norwegenhighlight unseres 2-monatigen Roadtrips durch Nord-Norwegen. Hätte das Wetter uns nicht öfter einen Strich durch die Rechnung gemacht, wären wir vermutlich jeden Tag auf einen anderen Gipfel gestiegen. Denn die Wanderungen sind so abwechslungsreich und die Aussichten jedes Mal aufs Neue so faszinierend, dass uns mit Sicherheit nicht langweilig geworden wäre. 10 Tage nach unserem Aufenthalt in Senja erreichten wir die Lofoten und nachdem wir beide Inseln kennengelernt haben, gefällt uns Senja um Längen besser. Ein kleines Paradies 3000 km von uns entfernt im hohen Norden.

Verfolgen Manuela:

Bereits seit früher Kindheit interessieren mich Reise- und Naturdokumentationen. Ich mag es die Welt zu entdecken, in ferne Länder zu reisen und in unsere Natur mit all meinen Sinnen einzutauchen.

4 Antworten

  1. Gundela Lennartz
    | Antworten

    Hallo Manuela und Thomas,
    danke für den Artikel über die Insel Senja, ich habe vor im Herbst für ein paar Tage dorthin zu fahren. Dafür sind Eure
    Tipps schon einmal sehr hilfreich. Die Landschaft ist ja traumhaft schön.
    Gruß Gundela

    • Thomas
      | Antworten

      Hallo Gundela,

      freut uns, dass wir Dir mit dem Artikel weiterhelfen können.
      Wenn Du Fragen hast, dann zögere nicht, Dich an uns zu wenden.
      Ansonsten werden in den nächsten Wochen immer wieder Artikel über Senja erscheinen, allerdings sehr wanderlastig.

      Viele Grüße

      Thomas

  2. Yvonne M.
    | Antworten

    Hallo,

    ein Freund und ich werden Ende Mai ein paar Tage auf Senja verbringen. Wir sind beide gerne in der Natur und gehen auch wandern, allerdings bin ich nicht schwindelfrei (eigentlich ganz im Gegenteil) und wir sind beide auch nicht klettererprobt. Welche kleinen Wanderungen würdet ihr für uns beide empfehlen, also hättet ihr irgendwelche konkreten Beispiele? Und was muss man auf Senja unbedingt gesehen haben (da wir ja leider nicht so viel Zeit haben werden wie ihr sie hattet)?

    Liebe Grüße
    Yvonne

    • Thomas
      | Antworten

      Hallo Yvonne,

      hast Du Dir unseren Artikel „7 Tage 7 Gipfel“ mit Beschreibungen zu den von uns gemachten Wanderungen mal durchgelesen und in die Kommentare geschaut?
      In unseren Augen sind der Husfjellet und Astritind sehr einfache Berge und auch mit Schwindelfreiheit zu begehen.
      Nico – nicht schwindelfrei – schreibt in einem Kommentar, dass er den Segla bezwungen hat, dass das Ganze aber sehr grenzwertig war.

      Hmm … was man unbedingt gesehen haben muss … Wir wollten hauptsächlich die Natur sehen und haben deshalb von der wenigen Kultur nichts mitgenommen. Es gibt einen Trollpark und kleinere Museen (wir waren in keinem).

      Ich wünsche Dir viel Spaß und würde mich freuen wenn Du dich nach Deiner Zeit auf Senja meldest. Mich würde interessieren wie es war und ob noch Schnee auf den Gipfeln gelegen hat.

      Sonnige Grüße

      Thomas

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