/ / / / Unterwegs in Islands Westfjorden – Der Botanische Garten Skrúdur

Unterwegs in Islands Westfjorden – Der Botanische Garten Skrúdur

with 2 Kommentare

Skrúdur, der botanische Garten in den Westfjorden Islands ist ein wahres botanisches Juwel in dieser sonst so kargen Landschaft Islands. Nach ewig langen Schotterpisten und einer Umgebung, die eher durch die Farbe Braun gekennzeichnet war, fanden wir uns auf einmal in einem blühenden Paradies der unterschiedlichsten Farben wieder. Dieser kleine Ort strahlte so viel Ruhe und Friedlichkeit aus, bis … ja bis etwas völlig Unerwartetes passierte.

Die abgelegenen Westfjorde Islands sind touristisch weit weniger frequentiert als z.B. der berühmte Golden Circle oder all die anderen Sehenswürdigkeiten der Insel, die so praktisch an der gut ausgebauten Ringstraße 1 liegen. Doch sind die Westfjorde nicht weniger sehenswert! Ganz im Gegenteil, denn hier zeigt sich Island noch von seiner ursprünglichen Seite. Kilometerlange Schotterpisten führen durch eine atemberaubende, menschenleere Natur. Tosende Wassermassen stürzen sich beim Dynjandi, der größte und auch einer der schönsten Wasserfälle Islands, beeindruckend in die Tiefe. Kleine Fischerdörfchen verstecken sich in majestätischen Fjorden und mit etwas Glück kann man hier auch noch die äußerst scheuen und doch so putzigen Polarfüchse beobachten, denn nur in den Westfjorden, genauer auf Hornstrandir, stehen sie unter Schutz. Dazu beherbergen die Westfjorde in Latrabjarg auch noch einen der größten Vogelfelsen der Welt, auf dem Millionen von Seevögeln nisten. Vor allem die drolligen Papageientaucher kann man hier sehr gut beobachten – auch wenn wir bei unserer Reise die Papageientaucherkolonie in Bakkagerdi bevorzugten. Doch das nur am Rande, denn heute wollen wir Euch von einem anderen kleinen Juwel der Westfjorde berichten, und zwar dem Botanischen Garten Skrúdur.

Island Botanischer Garten in den Westfjorden Skrudur
… für den Gründer uns seine Frau

Dieser kleine, gerade 70 mal 35 Meter große Botanische Garten befindet sich am Fjord Dyrafjördur nahe der Stadt Núpur, wo die Straße 624 von der Straße 60 abzweigt. Der Zier- und Gemüsegarten Skrúdur gilt als der erste botanische Garten Islands und wurde 1909 von Reverend Sigtryggur Guðlaugsson als Lehrgarten gegründet. 2013 gewann die Anlage den Internationalen Gartenbaupreis Carlo Scarpa, denn der Garten ist ein einmaliges Beispiel für Landschaftsnutzung und -gestaltung auch unter extremen Bedingungen. In dem kleinen Idyll wachsen unzählige verschiedene Bäume, Blumen, Beeren und Kräuter. Besonders eindrucksvoll ist neben der Blüten- und Farbenpracht auch das Eingangstor aus alten Walknochen.

Als wir in Skrúdur ankamen hatten wir den ganzen Botanischen Garten völlig für uns allein. Keine Menschenseele hatte sich hierher verirrt, was schade war, denn der gesamte Garten stand in voller Blütenpracht. Rot, Gelb, Lila, Grün. Überall leuchteten uns die schönsten Farben entgegen. Was für ein Kontrast zu unserer staubigen Anfahrt über die Schotterpisten der Westfjorde. Wir erkundeten den gesamten Garten und genossen das gute Wetter. Es war ein kleines Paradies auf Erden und es gehörte ganz uns. Meinten wir jedenfalls. Denn gerade als wir dachten, dass dies ein perfekter Ort dafür wäre, für eine Weile die Seele baumeln zu lassen und die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen, sahen wir sie: Reisebusse.

Island Botanischer Garten in den Westfjorden Skrudur
Der Springbrunnen

Nicht nur einer oder zwei, nein drei Busse kamen die Straße hinauf gefahren. Unsere Hoffnung, dass die Busse vielleicht weiter fahren würden, wurde schnell zerstört, denn schon bogen sie in die kleine Seitenstraße, die zum Garten führt, ab. Kaum hatten die Busse gehalten quollen drei volle Busladungen Passagiere aus dem Inneren. Zu Fuß, auf Krücken oder im Rollstuhl drängten sich die älteren Herrschaften Richtung Botanischer Garten. Das totale Gegenteil zu dem jungen Gemüse, welches wir bisher vorwiegend wahrgenommen hatten bei unserer Reise durch Island. Wir suchten das Weite, denn so viele Leute auf so einem kleinen Flecken Erde, dass konnte nur in Gedränge ausarten. Doch war das Fortkommen nicht gerade einfach, bewegten sich die Herrschaften doch in 4er Reihen zum Garten, als ob es da etwas umsonst gäbe oder vielleicht auch vom Zeitdruck getrieben. Doch wir schafften es, diese Phalanx zu umschiffen und flüchteten in unser sicheres, fahrendes Zuhause. Erst hier sahen wir, dass alle Reisebusse zu einer Schiffsgesellschaft gehörten. Die Kreuzfahrtschiffe, wie z.B. die Fram, legen nämlich regelmäßig auf ihren Fahrten in der „Hauptstadt“ der Westfjorde Ísafjörður an. Daher erleben nicht nur die Stadt, sondern auch die Sehenswürdigkeiten der Umgebung kurzzeitig eine Touristenflut. Doch diese hält nie lange an, schließlich stehen solche Touren, im Gegensatz zu uns, immer unter Zeitdruck. Daher hilft in solchen Moment nur eins: ein ruhiges Plätzchen finden und abwartet, bis der Spuk wieder vorbei ist. Wir für unseren Teil hatten den Botanischen Garten Skurdur schon ausreichend bewundert, sodass wir uns auf den Weg nach Ísafjörður machten. Und bis auf diese Reisebusflut am Ende war es ein wirklich schönes und idyllisches Plätzchen, das auf jeden Fall einen Abstecher wert war.

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

2 Responses

  1. Ronald
    | Antworten

    Skrudur Garten.
    Sie schrieben:
    “ Zu Fuß, auf Krücken oder im Rollstuhl drängten sich die älteren Herrschaften Richtung Botanischer Garten.“

    1. Meinen Sie, dass Sie ewig jung bleiben?
    2. Es waren nicht nur „alte Herrschaften“, sondern Passagiere jeglichen Alters an Bord.
    3. Wenn Sie nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung haben, möchte man doch so viel wie möglich sehen.

    Ich glaube, dass sollte auch berücksichtigt werden, wenn man solche Seiten schreibt, oder?
    Gruß
    Ronald

    • Thomas
      | Antworten

      Hallo Ronald,

      Zu 1. Nein, ich meine nicht, dass ich ewig jung bleibe.
      Zu 2. Woher wissen Sie, dass nicht nur alte Herrschaften von den Bussen in den botanischen Garten steuerten? Waren Sie zeitgleich mit uns dort und haben es erlebt? Wir haben keine jüngeren Leute (oder jeglichen Alters) entdeckt.
      Zu 3. Ist eine Einstellungs- bzw. Ansichtssache, die ich nicht teile.

      Wenn man einen Blog betreibt, hat man es nicht leicht. Immer fühlt sich jemand auf die Füße getreten, viele Worte werden auf die Goldwaage gelegt. Dabei ist es egal, ob man von Touristen schreibt, die ihre Notdurft und ihren Müll überall hinterlassen, das junge Partievolk, welches lautstark die Geräusche der Natur übertönt und die Tiere vertreibt oder Menschenmassen einen kleinen botanischen Garten erstürmen.

      Viele Grüße

      Thomas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.