Bryce Canyon – Bizzare Formen und vertraute Geschmäcker

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Zwei Wochen waren wir bereits in den USA unterwegs und noch immer bestimmten die grandiosen Nationalparks dieses Landes unseren Weg. So vieles hatten wir schon gesehen, ein Highlight folgte dem nächsten: seien es die mächtigen Geysire vom Yellowstone Nationalpark, dem ersten und damit ältesten Nationalpark der Welt (!), die unendliche Weite im Canyonlands Nationalpark, die mächtige Schlucht des Grand Canyon Nationalpark oder gar die hunderten natürlicher Steinbrücken und -bögen im Arches Nationalpark. Überall war es auf seine Art und Weise einzigartig und unvergesslich gewesen. Überall hätten wir gerne noch mehr Zeit verbringen, mehr entdecken wollen! Doch die USA sind groß und es gab noch vieles zu sehen, so dass wir ein recht straffes Programm hatten. Unser heutiges Ziel war der Bryce Canyon Nationalpark im Süden Utahs.

Der Bryce Canyon Nationalpark, welcher auf einer Höhe von 2400 bis 2700 Metern liegt, wurde 1928 erschaffen, um die einzigartige Landschaft, welche man hier finden kann, zu schützen. Charakteristisch sind die sogenannten Hoodoos, farbenfrohe Türme aus Sedimentgestein, welche durch Erosion geformt wurden. Nirgends auf der Welt gibt es so viele Hoodoos wie hier! Diese Hoodoos befinden sich entlang der Abbruchkante des Paunsaugunt-Plateaus und da diese Abrruchkante nicht linear verläuft, formten sich hier die verschiedenen sogenannten „natürlichen Amphitheater“. Sozusagen Amphitheater mit Hoodoos als Gästen. Das größte dieser Amphitheater ist der Bryce Canyon, der, obwohl er Canyon heißt, kein Canyon ist. Canyons entstehen durch Flüsse, welche sich über Jahrmillionen hinweg tief in das Gestein frässen – wie der Colorado River, der den Grand Canyon erschuf. Der Bryce Canyon dagegen ist durch ganz andere Naturgewalten erschaffen worden: Wind, Regen und Eis trugen hier das Gestein ab und ließen bizarre Erosionsformen – die Hoodoos – zurück.

Bryce Canyon
Bryce Amphitheater

Am Nachmittag machten wir uns mit unserem treuen Gefährt auf den Weg zum Bryce Canyon Nationalpark, nachdem wir am Tage früh auf den Angels Landing im Zion Nationalpark gewandert waren. Diese Wanderung lohnt sich, auch wenn sie für so manch einen vielleicht etwas steil erscheint, wird man doch mit einer grandiosen Aussicht belohnt.

Auf dem Weg vom Zion Nationalpark zum Bryce Nationalpark kommt man an einem – für Mitteleuropäer jedenfalls – besonderen Schmankerl vorbei: der Bäckerei Forscher! Wie sehr es uns diese süß-duftende Backparadies angetan hatte, könnt ihr in diesem separaten Artikel nachlesen. Gut gestärkt schlugen wir auf einem Campingplatz nahe des Bryce Canyon unser Nachtlager auf, denn morgen wollten wir sehr früh aufbrechen um den Sonnenaufgang im Bryce Canyon zu erleben. Was es an diesem Tage als Abendbrot gab, wird sich wohl jeder nun denken können. Genau, frisches Brot. Ein Hochgenuss in der kühle des Abends.

Am nächsten Morgen starteten wir bereits vor den ersten Sonnenstrahlen, denn wir wollten den Sonnenaufgang am Sunset Point erleben. Jetzt wird sich sicherlich der eine oder andere denken, dass wir wohl etwas zeitlich verwirrt sind, dass wir zum Sonnenaufgang zum Sunset Point gehen aber vielleicht überzeugen euch unsere Bilder davon, dass dies sicherlich nicht die schlechteste Wahl war. Und man muss sich hier zum Glück nicht so drängen wie am Sunrise Point! Der Morgen war kalt, so wie es in dieser Wüstengegend üblich ist, so dass wir unsere Daunenjacken anziehen mussten. Doch sobald die ersten Sonnenstrahlen über dieser bizarren Landschaft leuchteten, kam die Wärme zurück und kündigte einen weiteren, heißen und wunderschönen Tag an.

Bryce Canyon
Thor’s Hammer

Es war ein beeindruckendes Schauspiel, wie die Sonne nach und nach diese bunten Felssäulen – ihr Farbspektrum reicht von strahlendem Weiß bis hin zu knalligem Orange und sanftem Rot – erstrahlen lies. Nachdem wir – so wie unzählige andere Besucher – dutzende Bilder dieser magischen Darbietung geschossen hatten, machten wir uns auf den Park weiter zu erkunden. Erst liefen wir den Navajo Loop. Wenn die Felsformationen schon von oben beeindruckend sind, so sind sie es erst recht, wenn man mitten unter ihnen hindurch läuft. Überall kann man Felsnadel entdecken, die an Personen oder Tiere erinnern, man geht durch Bücken, vorbei an hohen Säulen oder über breite Plateaus. Hinter jeder Ecke konnte man etwas anderes bestaunen und nicht nur wir, sondern auch der Auslöser unserer Kamera lief hier wohl so langsam heiß.
Daher gönnten wir uns ein spätes, ausgiebiges Frühstück auf einer schattigen Bank, bevor wir mit unserem Auto jeden einzelnen Aussichtspunkt des Parks anfuhren und davon gab es hier einige. Es wurde uns dabei nicht wirklich langweilig, denn mit jedem Wechsel der Perspektive sah man neue Gesteinsformationen, Felsfarben und neue Ansichten dieses einmaligen Parks.

Am Abend zogen langsam Wolken auf und die erste Regentropfen waren für uns das Zeichen, unser Nachtlager aufzusuchen. Schließlich hatten wir heute einen langen Tag gehabt und auch morgen wollten wir uns den Sonnenaufgang nicht entgehen lassen. Gesagt getan, auch am nächsten Tag standen wir früh auf und fuhren dieses Mal zum Bryce Point – dem beliebtesten Aussichtspunkt des gesamten Parks! Dementsprechend fanden sich, je näher der Sonnenaufgang rückte – unzählige Menschen hier ein. Es war ein einziges Geschupse und Geschiebe. Ständig mussten wir das Stativ vor unvorsichtigen Mitmenschen schützen, damit diese es nicht samt Kamera einfach umwarfen. Nach solch einem Stress brauchten wir erst einmal ein gutes Frühstück und da es uns die Forscher Bäckerei so angetan hatte, machten wir glatt einen kleinen Umweg – gerade mal 90 km, also ein Katzensprung für amerikanische Verhältnisse – um noch ein letztes Mal in den Genuss von frisch gebackenem Brot zu kommen. Klingt vielleicht etwas verrückt aber was soll ich sagen: es hat sich gelohnt und das ist wohl alles was zählt, nicht wahr?

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Bereits seit früher Kindheit interessieren mich Reise- und Naturdokumentationen. Ich mag es die Welt zu entdecken, in ferne Länder zu reisen und in unsere Natur mit all meinen Sinnen einzutauchen.

3 Antworten

  1. Hartmut
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    Tolle Fotos habt ihr da mal wieder gemacht… wir waren ja damals 3 Tage im Bryce, und ich habe mich jeden Morgen aus dem Bett gequält, um den Sonnenaufgang zu erleben und zu fotografieren. Sah irgendwie immer anders aus. Im Gegenteil zu euch waren wir ja eher langsam unterwegs… haben nicht so viel geschafft.
    Nach einer Wanderung durch den Bryce in der nachmittäglichen Hitze waren sowohl die Kids als wir auch ziemlich geschafft und mussten uns erstmal wieder eine Weile ausruhen.Für mich ist der Bryce einer der schönsten Plätze unseres USA-Roadtrips, auch wenn es mir ähnlich geht, wie euch, dass es einfach zu viele schöne Fleckchen Erde dort gibt. Irgendwie vermittelte die Landschaft schon fast ein spirituelles Gefühl…
    LG
    Hartmut

    • Thomas
      | Antworten

      Hallo Hartmut,

      wir hatten aufgrund von unserem Visum nur noch 7 Wochen für die Lower 48s und da wir zum Supermoon im Canyonlands Nationalpark sein wollten auch etwas Zeitstress. Deshalb haben wir an einem Tag gleich drei Wanderungen im Bryce Canyon unternommen.
      Was uns im Bryce Canyon gefehlt hat waren Tiere und er ist bei weitem nicht so ruhig wie z.B. Canyonlands, welches unser bisheriger Lieblings-Nationalpark ist.

      Viele Grüße

      Thomas

  2. Tobias Hoiten
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    Moin,

    habe Euren Blog gerade durch Zufall entdeckt und bin begeistert von der Qualität Eurer Bilder und auch Eurer Texte. Mit was für einer Kamera bekommt Ihr so eine klare Sonne hin?

    Beste Grüße aus Norddeutschland

    Tobias Hoiten

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