Begegnung in Ushuaia

with 2 Kommentare

Wir verbrachten eine lange Zeit in Ushuaia. Sicherlich mehr als so manch anderer Tourist. Deshalb streiften wir oft durch die Straßen oder wanderten die angrenzenden Berge hinauf (so weit es der Schnee zuließ). Als wir zum Co del Medio hochwanderten und gerade „Camino de Valle“ passiert hatten rannte auf uns plötzlich ein schwarzer Hund zu. Nach diversen kläffenden, unfreundlichen Kötern in den Straßen von Ushuaia gingen bei uns sämtliche Alarmglocken an und unsere Muskeln spannten sich.

Zum Glück Fehlalarm. Wir wurden aus eisblauen Augen angeschaut und ich meinte ein Lächeln um die Hundeschnauze sehen zu können. Als eingefleischter Katzenmensch ist meine erste Handlung natürlich nicht die, dass ich den Hund streicheln möchte oder mit ihm spielen würde. Ich bin reserviert, ganz anders wenn eine Katze vor mir stehen würde. Irgendwie hatte ich auch den Eindruck, dass der schwarze Hund sozusagen mit gemischten Gefühlen vor uns steht: denn so freundlich sein Blick wirkte, schien er doch irgendwie ängstlich zu sein und jederzeit bereit wegzurennen. Schlechte Erfahrungen mit Menschen? Würde mich nicht wundern …

Zumindest bei Manu bekam der Hund ein paar Streicheleinheiten ab und war schnell zufrieden und überaus lebendig, ja fast wirkte er glücklich. Fortan hatten wir einen total unaufdringlichen Begleiter bei unserer Wanderung. Ich hatte den Eindruck, als ob der Hund einfach nur etwas Gesellschaft wollte. Er schnüffelte vor uns den Weg ab, dann wieder hinter uns. Rannte an uns vorbei, wartete bis wir aufgeschlossen hatten. Erkundete den dichten Wald rechts und links des Weges. Verscheuchte zu meinem Ärgernis das ein oder andere Mal Vögel, die ich gerne fotografiert hätte.

Südamerika Argentinien Ushuaia Hund
Eisblaue Augen

Wann immer wir eine Pause machten kam der Hund vorsichtig näher. Man merkte richtig wie er sich nach Streicheleinheiten sehnte, aber auch wie misstrauisch er dennoch war. Je weiter die Stunden verstrichen, desto zutraulicher wurde er und ja, auch mich hatte er um den Finger gewickelt und ich kraulte ihn. Wir hatten den Eindruck, dass es schwer werden würde am Ende des Tages wieder getrennte Wege zu gehen.

So war es dann auch. Denn obwohl wir den Hund am Stadtrand getroffen hatten, folgte er uns in die Stadt. Kurz bevor wir die Ruta 3 erreichten und somit die erste verkehrsreiche Straße hätten queren müssen, mussten wir den Hund irgendwie dazu bewegen uns nicht mehr zu folgen. Denn von selbst machte er keine Anstalten von unserer Seite zu weichen und wir hatten nicht den Eindruck – obwohl er vom Fell gepflegt und nicht unterernährt wirkte – das sein Zuhause am Stadtrand wäre.

Alles verstecken und plötzliche Richtungsänderungen halfen nichts. Schweren Herzens wusste ich mir nicht weiter zu helfen, als in die Hände zu klatschen und dabei auf den Hund zu zurennen. Er kniff den Schwanz zwischen die Hinterbeine und rannte davon. Ich hinterher. So scheuchte ich ihn über die Brücke eines Flusses und einen Hügel hinauf zum Stadtrand – in die Richtung wo wir uns getroffen hatten.

Danach dreht ich mich um und rannte so schnell ich konnte zurück zu Manu. Der Hund folgte mir nicht mehr. Dies bestätigte mir ein Blick über die Schulter denn er stand am Hügel und blickte uns nach. Ich konnte richtig erkennen wie er die Welt nicht mehr verstand und ich auch.

Ein Hund hatte mir – einem Katzenmenschen – ein Stück (wenn auch nur ein winziges) aus meinem Herzen gebrochen. Ich empfand meine Handlung zutiefst widerlich und hatte einen Klos im Hals als ich den Hund in der Ferne so stehen sah und mir vorstellte was in ihm vorging. Manu erging es nicht besser. Gewissensbisse verzerrten uns die kommenden Stunden. Wir hatten einem Hund gegenüber falsche Hoffnungen gemacht, da wir ein paar Stunden den gemeinsamen Weg gingen. Wir beide waren uns einig, dass hätten wir ein eigenes Auto unsere Reise fortan zu dritt weitergehen würde.

Verfolgen Thomas:

Die Natur hat mich schon immer interessiert. Unabhängig vom Alter verbrachte ich gerne Zeit draußen. Dies hat sich bis heute noch gesteigert denn ich übernachte gerne im Zelt in der Wildnis und versuche die Schönheit der Natur mit der Kamera einzufangen.

2 Antworten

  1. Bjørn
    | Antworten

    Hey ihr Beiden, wirklich schön geschrieben von euch. Ist uns in Südamerika sehr oft passiert. Dort hatten wir oft solche schönen aber auch traurigen Begegnungen. Ich kann sehr gut verstehen, wie ihr euch am Ende gefühlt habt.
    Liebe Grüße nach Patagonien
    Björn

  2. Hartmut
    | Antworten

    Ach ja, seufz, traurig… wäre uns das mit unseren Kindern passiert, hätte das eine gefühlsmässige Katastrophe gegeben…

Deine Gedanken zu diesem Thema