Aurora Borealis Nordlichter Polarlichter Northern Lights

Erfahrungsbericht und Kameraeinstellungen zur Fotografie von Polarlichtern

Nordlichter gehören meiner Meinung nach zu den beeindruckendsten und magischsten Naturphänomenen der Erde. Ausgelöst durch Sonneneruptionen rasen Teilchen auf die Erde und treten im Bereich der Pole in die Erdatmosphäre, wo die “trockene” Physik für bezaubernde Lichterscheinungen am winterlichen Nachthimmel sorgt. Mit diesem Artikel möchte ich meine persönlichen Erfahrungen teilen, die ich beim Fotografieren der Aurora Borealis gesammelt habe. Der Artikel befasst sich damit was man bei der Zeit bzw. Ortswahl und bei der Kleidung für die Kälte beachten sollte. Selbstverständlich liefere ich auch Erfahrungswerte für die Kameraeinstellungen um Nordlichter zu fotografieren.

Meine Erfahrungen zur Fotografie in der Kälte bzw. zur Fotografie der Aurora Borealis habe ich in Tromsø (Nord-Norwegen) in den ersten beiden Januarwochen während einer Neumondphase gesammelt. Einen Reisebericht über die sehr schöne Stadt Tromsø gibt es HIER. Wer ebenfalls in Tromsø unterwegs sein möchte findet unter nachfolgendem Link eine Karte mit Orten an denen ich Polarlichter fotografiert habe.

Tromso – In search of lights from Thomas Guthmann on Vimeo.

Geht es im Vorfeld an die Planung einer Reise zum Fotografieren von Polarlichtern würde ich folgende Details berücksichtigen (ich gehe einfach mal davon aus, dass nicht jeder z.B. in Nord-Norwegen wohnt):

  • Ort mit einigermaßen berechenbarem/kalkulierbarem Wetter
  • Ort mit wenig Lichtverschmutzung
  • Zeit mit möglichst wenig Mond (meine persönliche Meinung ist, dass der Mond einfach deutlich heller strahlt als die Aurora – kommt dann noch Schnee hinzu wird es “richtig hell”)
  • man sollte sich darauf einstellen wenigstens bis Mitternacht unterwegs zu sein (die meiste Auroraaktivität beobachtete ich zwischen 21 Uhr und 24 Uhr, es gab aber auch Nächte, da war erst morgens um 04 Uhr Feierabend)
Aurora VS. Mond

Aurora VS. Halbmond

Die Aurora Borealis tritt im hohen Norden in Erscheinung und dies von Herbst bis zum Frühling. Dies bringt Temperaturen um null Grad oder deutlich darunter mit sich – abhängig davon wie weit man in den Norden reist, ob man sich am Meer oder im Inland aufhält. Entscheidet man sich für den beginnenden bzw. den ausklingenden Winter hat dies den Vorteil, dass man tagsüber noch Licht für Aktivitäten hat, da die Polarnacht (Bsp. für Tromsø 26. November – 15. Januar) noch nicht begonnen hat oder bereits wieder zu Ende ist.

Aufgrund der kalten Temperaturen gebe ich folgende Kleidungs-Hinweise:

  • Daunenjacke
  • gefütterte Hose (Primalofthose oder Daunenhose)
  • Handschuhe
  • Mütze mit langen „Ohren”, welche die Wangen bedecken
  • Schuhe mit dicken Sohlen (als Isolation zum Boden)
  • Schuhspikes zum Überziehen, um nicht auf Eis ins Rutschen zu geraten
  • Einlege-Thermosohlen (einseitig mit Alu beschichtet)
  • Stirnlampe mit Rotlicht (angenehm für die Augen, da diese sich nicht umstellen müssen von ziemlich dunkel auf helle Taschenlampe und wieder zurück)
  • Thermoskanne, um etwas Warmes trinken zu können (oder Kocher mitnehmen)
  • angenehmes Extra: Schneeschuhe und Wanderstöcke, um an Orte zu kommen, die nicht gleich neben der Straße liegen

Was sollte man bei der Kamera-Ausrüstung zur Nordlichtfotografie beachten?

  • ein Stativ ist aufgrund der langen Belichtungszeiten essentiell (Review Sirui Reisestativ)
  • Stativbeine mit Schaumstoffpolsterung (wer Metall bei deutlichen Minusgraden schon mal angefasst hat weiß warum)
  • Weitwinkel-Objektiv (10 – 14 mm) oder Fish Eye (ich hatte nur 16 mm zur Verfügung und empfand dies als zu wenig)
  • bei Bedarf Fernauslöser für die Kamera oder Steuereinheit
  • Blitz oder Lampe um Gegenstände oder Personen vor der Aurora aufzuhellen

Je nach Art der Fernbedienung gilt es zu beachten, dass je nach Minusgraden bei einer kabelgebunden Fernbedienung das Kabel starr/hart wird bzw. bei einer Funkfernbedienung oder Steuereinheit die Batterien leer gehen können (erhöhte innere Widerstände und verminderte chemische Reaktionsgeschwindigkeit). Als leer angezeigte Batterien bekommt man z.B. durch wärmen am Körper wieder flott. Ersatzakkus sollten daher immer möglichst körpernah verwahrt werden. Meine Kamerabatterien haben bei moderaten Minustemperaturen 2 Nächte gehalten. Bei Temperaturen von -16 °C hatten sie bereits nach einer halben Stunde 30 % ihrer Kapazität eingebüßt.

Vor Ort sollte man ständig ein Auge auf das Wetter und die Aurora Forecast haben um abschätzen zu können wann es sich lohnt welchen Ort aufzusuchen.

Ist man unterwegs, stellt sich die Frage wie man die Aurora erkennt und weiß, dass sich gerade eine am Himmel befindet!?
Für eine Vorhersageaktivität von Level 1-2 sollte man am Himmel nach einer ungewöhnlichen, langgezogenen, gräulichen Wolke Ausschau halten (ein Band, das sich über den Himmel schlängelt vergleichbar mit einem Kondensstreifen eines Flugzeugs). Wenn man sich nicht sicher ist, einfach eine Testaufnahme mit der Kamera machen. Diese wird dann innerhalb weniger Sekunden offenbaren, ob es sich um eine Aurora handelt oder nicht.
Ab Level 3 sind Nordlichter mit dem bloßem Auge nicht mehr zu übersehen. Man erkennt deutlich die Grünfärbung und/oder weitere Farbschattierungen bzw. sieht die Tanzbewegungen.

Welche Kameraeinstellungen sollten man beachten, um die Aurora zu fotografieren?

Zuerst einmal fand ich es hilfreich, dass ich mich im Hellen damit auseinandergesetzt habe, bei welcher Einstellung das Objektiv, welches ich verwende, auf unendlich fokussiert.
Bevor ich nun nachfolgend Richtwerte niederschreibe und im Anschluss Beispielfotos inkl. Einstellungen in Abhängigkeit der Auroraaktivität liefere, finde ich es wichtig hervorzuheben, dass man vor Ort immer erst ein paar Testaufnahmen der Aurora machen sollte. Diese Aufnahmen sollte man unbedingt mit dem Histogramm der Kamera bewerten und nicht einfach anhand der Rückschaufunktion auf dem Kameradisplay nach dem Motto „sieht gut/hell aus“. Nur das Histogramm zeigt einem, ob nicht doch zu viel unterbelichtet ist oder bereits Teile der Aurora überbelichtet sind, so dass sie clippen.
Ferner sind die Augen an die Dunkelheit angepasst, dagegen ist ein Kameradisplay schon fast ein Leuchtfeuer.

Ich persönlich fotografiere ausschließlich im RAW-Format (Rohdatenformat).

Richteinstellungen zur Fotografie von Nordlichtern:

ISO: 1600
Blende: 2,8 (mehr hat mein Objektiv nicht hergegeben – so lichtstark wie möglich)
Verschlusszeit: 10 Sekunden

Ich empfehle oben beschriebene Einstellungen als Voreinstellungen in der Kamera abzuspeichern, so dass man schnell ein paar Richteinstellungen zur Hand hat, welche es dann nur noch je nach Aufnahmesituation anzupassen bzw. fein einzustellen gilt.
Falls man keine Fernbedienung verwendet empfehle ich, um Erschütterungen der Kamera im Moment des Drücken des Auslösers zu vermeiden, den Selbstauslöser der Kamera auf 2 Sekunden einzustellen.

Tabelle mit verschiedenen Einstellungen zur Fotografie der Aurora Borealis mit Beispielfotos:

Die Fotos sind unbearbeitete RAW-Files so wie sie aus der Kamera kamen.

Einstellungen Foto Bemerkung
Aurora Level 2
ISO 6400
Blende 4
Belichtung 30 Sek
Brennweite 24 mm
Aurora_AL2_ISO6400_F4_30sek_24mm Schwache Aurora, Distanz, f4 machen lange Belichtungszeit und hohes ISO nötig. Alles recht hell, Sterne scheinen durch
Aurora Level 2
ISO 3200
Blende 2.8
Belichtung 15 Sek
Brennweite 16 mm
Aurora_AL2_ISO3200_F2.8_15sek_16mm Aurora kommt besser zur Geltung als bei unterem Foto mit längerer Belichtung
Aurora Level 2
ISO 3200
Blende 2.8
Belichtung 25 Sek
Brennweite 16 mm
Aurora_AL2_ISO3200_F2.8_25sek_16mm Belichtung zu lang, Aurora hebt sich kaum noch vor hellem Hintergrund hervor
Aurora Level 3
ISO 4000
Blende 2.8
Belichtung 8 Sek
Brennweite 16 mm
Aurora_AL2_ISO4000_F2.8_8sek_16mm Dünnes Auroraband und kurze Belichtungszeit erfordern mehr ISO
Aurora Level 3
ISO 5000
Blende 4
Belichtung 10 Sek
Brennweite 24 mm
Aurora_AL3_ISO5000_F4_10sek_24mm Distanz zur Aurora und f4 erfordern mehr ISO
Aurora Level 4
ISO 1600
Blende 2.8
Belichtung 8 Sek
Brennweite 16 mm
Aurora_AL4_ISO1600_F2.8_8sek_16mm
Aurora Level 5
ISO 1600
Blende 2.8
Belichtung 5 sek
Brennweite 16 mm
Aurora_AL5_ISO1600_F2.8_5sek_16mm Aufgrund der Nähe zur Aurora kurze Belichtungszeit
Aurora Level 5
ISO 1600
Blende 2.8
Belichtung 10 sek
Brennweite 16 mm
Aurora_AL5_ISO1600_F2.8_10sek_16mm Aufgrund der Distanz zur Aurora lange Belichtungszeit und für Reflexionen im Meer

Wer an höher aufgelösten Fotos von der Aurora Borealis interessiert ist findet diese in einem gesonderten Beitrag.

Die Fotos der Tabelle zeigen, dass nicht nur die Stärke der Aurora eine Rolle spielt für die Kameraeinstellungen, sondern auch die Distanz zur Aurora. Ist diese “zum Greifen nahe” sendet sie ein deutlich stärkeres Leuchten aus, als wenn sie 10 km entfernt über einen Berg zieht.

Die Tanzbewegungen der Aurora sind schneller als ich sie mir vorgestellt hatte. Deshalb sollte einem bewusst sein, dass wenn man diese Tanzbewegung „einfrieren“ möchte eine kürzere Verschlusszeit als 10 Sekunden gewählt werden sollte. Wählt man eine Verschlusszeit länger als 10 Sekunden, sollte man im Hinterkopf haben, dass sich die Bewegungen überlagern und nicht mehr „einzeln aufgeschlüsselt“ werden können – dafür leuchtet die Aurora stärker und wirkt weicher.

Wenn man Polarlichter in einer Nacht nicht nur an einem Ort fotografiert, sondern Ortswechsel z.B. mit dem Auto oder dem Bus durchführt, sollte man je nach Minusgraden darauf achten, dass sich auf der Kamera wenn diese von der Kälte in die Wärme gelangt keine Kondensationsfeuchte bildet. Im Warmen (z.B. Autoinnere) ist das je nach Kamera nicht ganz so gravierend, aber wenn diese Feuchte ins Gehäuse eindringt und man dann wieder nach draußen ins Kalte geht kann es passieren, dass bei zweistelligen Minusgraden diese Feuchte gefriert und dann ist im schlimmsten Fall die Kamera kaputt.
Zur Sicherheit empfehle ich deshalb bei zweistelligen Minusgraden die Kamera draußen im Kalten in einen wasserdichten Packsack zu packen (evtl. sogar mit Silicagel-Päcken ausgestattet) und die Kamera so lange sie im Warmen transportiert wird im Packsack zu belassen und erst wieder im Kalten auszupacken. Die Luft im Packsack und die Kamera erwärmen sich nur allmählich und die kalte Umgebungsluft, in der die Kamera im Freien in den Packsack verstaut wurde, enthält deutlich weniger Luftfeuchte als die Warme.
Schaut man durch den Sucher oder auf das Kameradisplay, sollte man in diesem Moment nicht direkt ausatmen, denn auch diese Feuchte schlägt sich auf der Kamera nieder und kann gefrieren.

Von Zeit zu Zeit die Linse begutachten, ob sich dort nicht ein Niederschlag gebildet hat. Als ich direkt an der Küste die Aurora fotografiert habe, war dies alle knappe Stunde der Fall.

Wichtig bei einer Reise um Polarlichter zu fotografieren ist, wie ich finde, dass man sich bewusst ist, dass die Aurora Borealis ein Naturphänomen ist und dieses nur in gewissen Teilen berechenbar ist. Hinzu kommt noch, dass man einen wolkenlosen Himmel braucht. Ebenfalls eine Naturgesetztmäßigkeit, die man nicht in der Hand hat. Ferner muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Auch bei mir kam es vor, dass trotz Aurora Forecast Level 5 und keiner Wolke am Nachthimmel nur ein schwaches „Aurörchen” am Himmel tanzte.
Wir waren 14 Tage unterwegs und haben in 8 Nächten Polarlichter in den Aktivitätsstufen 1-5 gesehen.

Sollte ich Fragen offen gelassen habe, oder etwas unklar sein, genügt es einen Kommentar zu hinterlassen oder mir eine Email zu schreiben.
Selbstverständlich freue ich mich auch über Feedback in Form von Kommentaren.

Happy light chasing!

P.S.: Wer an höher aufgelösten Fotos von der Aurora Borealis interessiert ist findet diese in einem gesonderten Beitrag.