Grönland - Der Arctic Circle Trail

Grönland – Der Arctic Circle Trail

Da liegt er nun hinter mir, der Arctic Circle Trail in Grönland Ende Juli. Meine erste Wanderung mit deutlich mehr als 100 Kilometern und nördlich des Polarkreises gelegen. Für die 180 km benötigten wir neun Tage (wir trampten bis nach Kelly Ville was ich aufgrund der staubigen Schotterpiste nur jedem empfehlen kann). Auf der gesamten Strecke begegneten uns 11 andere Wanderer.

Schön und interessant war’s und dank bestem Sommerwetter gut zu wandern – kaum zu glauben, dass es in Grönland, dem Land mit dem man Schnee und Eiseskälte in Verbindung bringt, 20 – 25 °C warm werden kann und in der Sonne sogar südländische 36 °C !!! Allerdings muss ich zugeben, dass mir die Hitze zu schaffen gemacht hat (mehr als der große Rucksack oder die Etappenlänge) und ich mich öfter nach Schatten gesehnt habe, zumal die Sonne ja fast rund um die Uhr präsent war. Diese extreme Wärme brachte einige Gletscher zum Bersten – es kam zu riesigen Abbrüchen am UNESCO Gletscher nördlich von Ilulissat, über die weltweit in den Nachrichten berichtet wurde.

Der Arctic Circle Trail war gut, für mich persönlich aber kein Highlight, da mir die landschaftliche Abwechslung gefehlt hat. Mal gab es mehr mal weniger Seen, mal größer mal kleiner. Das grüne Gesamtbild, bestehend aus Gras, Moos, Sumpf, Kriechsträuchern und Felsen in hügeliger Landschaft blieb immer dasselbe. Hat mich alles sehr an Süd/West-Irland bzw. Schottland erinnert. Rentiere, Polarhasen oder aber Moschusochsen in freier Wildbahn zu sehen waren dagegen ein ergreifendes Erlebnis.

Grönland: Blick auf die Wasseradern durchs Inlandeis

Neu für mich waren die vielen Sumpfabschnitte, welche kaugummiartig jeden Schritt verzögerten und dadurch viel Kraft kosteten. Zum Glück hatte ich mich gegen Trailrunningschuhe und für hohe Wanderstiefel entschieden, sonst wären die Füße etliche Male nass geworden. So sorgten nur zwei Furten mit Wasser bis zu den Oberschenkeln bzw. über den Bauchnabel für feuchtfröhliche Abkühlung bzw. spaßige Abwechslung im Wandergeschehen.

Was mir unangenehm aufgefallen ist war der viele Müll. Ich hätte nicht gedacht, das derart weit von der Zivilisation so viel Müll liegt, u.a. zerdepperte Glasflaschen. Um manche Hütten war es ganz schlimm, die reinsten Fäkalzentren und Müllhalden. Sehr traurig, dass der Mensch solch ein Scheusahl sein kann und vermeintlich unberührte Natur derart verschmutzt.

Der Arctic Circle Trail ist als Pfad fast immer deutlich zu erkennen. Zur Orientierung in welchem Streckenabschnitt wir uns jeweils befanden und um abschätzen zu können wie weit es noch bis Sisimiut ist, benutzten wir ein 3er Kartenset welches z.B. bei der Geobuchhandlung bezogen werden kann. Dort gibt es nicht nur diese Karten, sondern auch weitere Wanderkarten z.B. zu Ilulissat oder aber Wanderbücher über den Arctic Circle Trail.

Soweit ein kurzer Abriss zum Arctic Circle Trail in Grönland. Nachfolgend die Erlebnisse zu den einzelnen Etappen und am Ende meines Reiseberichts eine Fotogalerie zum Arctic Circle Trail. Kleine Berichte über Sisimiut und Ilulissat habe ich unter separaten Seiten verfasst.

Etappe 1
Etappe 2
Etappe 3
Etappe 4
Etappe 5
Etappe 6
Etappe 7
Etappe 8
Etappe 9
Grönland, der Arctic Circle Trail und die Mücken
Sisimiut an der Westküste Grönlands
Ilulissat an der Westküste Grönlands
Mitternachtsbootstour in Ilulissat
Packliste für den Arctic Circle Trail

 

Etappe 1

Nachdem wir unsere Rucksäcke vom Gepäckband geholt hatten, betraten wir den großen Supermarkt gegenüber dem Flughafengebäude von Kangerlussuaq und waren total überrascht von dem großen Sortiment: wir deckten uns mit Gas (drei unterschiedliche Größen an Schraubkartuschen gab es) und Reinbenzin ein. Gebrauchte Gaskartuschen hätte es auch im blauen Gebäude vom Campingplatz gegeben bzw. kann man im Souvenirshop der Polarlodge auch Gaskartuschen erwerben.
Bereits beim Verstauen der gerade getätigten Einkäufe wurden wir von den ersten Moskitos attackiert, welche selbst durch mein Langarmshirt stachen.
Von Kangerlussuaq trampten wir bis nach Kelly Ville: einfach ein paar Leute ansprechen, es wird sich jemand nettes finden. Ich kann das Trampen nur jedem empfehlen, da dieser Streckenabschnitt eine staubige – für grönländische Verhältnisse – vielbefahrene Schotterpiste ist.
Ach: entgegen der vielen Berichte oder der Aussage im Outdoorhandbuch zum Arctic Circle Trail ist es nicht nötig sich in der Polizeistation abzumelden. Wir wurden dabei eher von der ortsansässigen Polizei belächelt.

Grönland Wollgras bei Kelly Ville

In Kelly Ville schulterten wir unsere Rucksäcke und wanderten durch eine leicht hügelige, sumpfige Graslandschaft gezeichnet durch flauschiges Wollgras (Hinweis: die Stellen mit dem meisten Wollgras sind die nassesten!), welches für die nächsten Tage unser ständiger Begleiter sein sollte. Graue Wolken hingen bedrohlich über uns. Am Ende der ersten leichten Anstiege hatten wir einen schönen Ausblick und sahen bereits die ersten Seen und machten auch Bekanntschaft mit einer rustikalen, erfinderischen Hütte. Das Wasser der drei Salzseen ist nicht wirklich lecker und genießbar. Aufgrund der großen Menge an Seen, ist die Trinkwasserversorgung überhaupt kein Problem.
Am frühen Abend schlugen wir unser Zelt oberhalb eines Sees auf und verkrochen uns wegen der langen Anreise und der nervigen Mücken im Schlafsack.

Etappe 2

Nach einer etwas unruhigen Nacht startete ich gemächlich in den Tag, nach dem Frühstück verstaue ich meine Ausrüstung routiniert und losgewandert wurde erst gegen 11 Uhr. Am Vormittag war Fluglärm permanent anwesend, da dieser Streckenabschnitt in der direkten Einflugschneise von Kangerlussuaq zu liegen scheint. Etwas irritierend fand ich dies schon, denn schließlich war ich in Grönland mit 56.000 Einwohnern und hatte eigentlich Ruhe und Einsamkeit erwartet.

Wir waren eine knappe Stunde unterwegs, als uns vier Dänen entgegenkamen. Sie waren vor 7 Tagen in Sisimiut gestartet. Nach einem kurzen Plausch ging es weiter und wir erreichten nach kurzer Zeit unsere erste Furt (ca. bei KM 28): erstmal absatteln, die Wanderschuhe verstauen und dann ging es mit den Sandalen langsam durch ruhiges Wasser, das mir bis zur Mitte meiner Oberschenkel reichte. Für mich eine spaßig Abwechslung. Die Füße versanken etwas im braun-schleimigen Boden, doch mit Hilfe der Trekkingstöcke war diese Furt trotz schwerem Rucksack absolut easy zu meistern.

Grönland Arctic Circle Trail Hütte Katiffik

Am frühen Nachmittag sahen wir von einer Anhöhe aus die erste Hütte idyllisch an einem See liegend, weithin sichtbar durch ihren roten Anstrich. An der Hütte Katiffik angekommen die Ernüchterung: rundherum alles verschissen und innen auch recht ranzig. Trotzdem ließen wir uns nicht davon abhalten bis zu den Oberschenkeln in den angrenzenden kalten See einzutauchen – bei dem warmen sonnigen Wetter eine Wohltat.

Nach dieser kurzweiligen Unterbrechung schulterten wir schon schwerfälliger unsere Ausrüstung, es folgte ein ziemlich nerviger Streckenabschnitt: mit schwerem Gepäck galt es über ein Felsenmeer zu kraxeln. Der große Rucksack schränkte mich dermaßen in der Bewegung und Balance ein … nur wenige Zentimeter vom Seeufer entfernt, ein Absturz wäre zwar weich aber nass-kalt gewesen.

Am frühen Abend machten wir eine kurze Rast fürs Abendessen: ich gönnte mir Nudeln mit selbstgemachten Pesto. Eigentlich hätte ich mir gerne diese Köstlichkeit noch etwas aufgehoben aber leider war meine Tube mit dem Pesto beschädigt worden. Als wir zum See abstiegen sahen wir unseren ersten Polarhasen, der durch sein schneeweißes Fell nicht den Hauch einer Chance hatte sich zwischen den grünen Kriechsträuchern zu verstecken. Eher im Gegenteil: er war äußerst gut zu erkennen.

Frisch gestärkt nahmen wir die letzten Kilometer in Angriff bevor wir gegen 21:30 Uhr am Ufer des Amitsorsuaq unser Zelt aufschlugen und wohlverdient einschlummerten.

Etappe 3

Um halb acht war es vorbei mit Im-Zelt-Liegen, denn je höher die Sonne stieg, desto heißer wurde es im Zeltinneren. Dies hatte jedoch den Vorteil, dass wir um 09 Uhr am Wandern waren.

Die Sonne brannte bereits am Vormittag unerbittlich. Das Thermometer zeigte im Schatten eines Steines 25 °C und in der Sonne – für Grönland unfassbare – 36 °C. Wahnsinn. Das soll Grönland sein, wo ist all das Eis, der Schnee, die zweistelligen Minusgrade? Ich komme mir vor als wäre ich im Süden Europas und nicht im hohen Norden oberhalb des Polarkreises.

Grönland: dank unerbittlichem Sonnenschein 36 Grad

Wenig später sahen wir das erste Rentier: leichtfüßig stolzierte es auf einem Hügel entlang, leider zu weit entfernt für die Digicam. In mir loderte ein kleines Glücksgefühl, denn ich hatte ein Tier, das ich sonst nur aus Naturdokus kenne, in freier Wildbahn gesehen.

Wir kommen viel langsamer voran als geplant, stündlich machen wir mittlerweile Pausen. Kein Baum, kein Strauch, kein Schatten. Stundenlang wandern wir entlang des Amitsorsuaq und können so zum Glück, da der See äußerst groß ist, jederzeit unsere Wasserflaschen auffüllen und ausgiebig trinken.

Als wir das Kanu-Center und die dortige Hütte erreichen machen wir eine längere Pause. Die Hütte ist riesig. Es gibt mehrere Schlafräume und das Innere wirkt recht einladend. Trotzdem ist rund um die Hütte mal wieder alles dreckig und versch…

Gegen 20 Uhr beenden wir unsere heutige Wanderetappe am Ende bzw. Abfluss des Sees Amitsorsuaq. Ich bin fix und fertig, mein Schädel brummt, die Sonne hat mich komplett weichgekocht.

Etappe 4

Bereits um kurz nach 05 Uhr war ich wach, im Zelt brennt wieder die Luft. Alle Türen auf, nur das Moskitonetz, aber auch so wird es nicht kühler. Wenigstens geht es uns allen besser. Gestern sind wir sicherlich nur knapp einem Sonnenstich entkommen.

Bereits um 07 Uhr haben wir die Rucksäcke geschultert und stecken in den Wanderschuhen. Zum Glück ziehen ein paar Wölkchen auf, so dass es sich viel angenehmer wandern lässt als tags zuvor.
Die ersten drei Stunden geht es parallel zum Bach entlang, der aus dem See Amitsorsuaq abfließt. Sümpfe prägen diesen morastigen Streckenabschnitt und zu unserem Entzücken sehen wir unser zweites Rentier. Wir bleiben stehen, verhalten uns ruhig und es kommt näher und näher. Es dauert eine ganze Weile bis es uns wahrnimmt. Mit erhobenem Kopf und äußerst interessiert umkreist es uns, kommt näher nur um kurz darauf wieder etwas Abstand zu nehmen. So geht es eine ganze Weile bis das Rentier schließlich Richtung Amitsorsuaq davonläuft. Ein ergreifender Moment.

Am Ufer des Kangerluatsiarsuaq gönnen wir uns eine lange Pause und frühstücken ausgiebig. Ich beobachte ein paar Wasservögel wie sie im See nach Nahrung tauchen.
Zu Hause ist man selten so nahe an der Natur bei den Mahlzeiten. Hier in Grönland ist so ein Frühstück in der sonnig-arktischen Wildnis, auch wenn die Mücken an ungeschützten Hautflecken ihrerseits frühstücken wollen, ein tolles Erlebnis: einfach an einen Stein gelehnt, im weichen moosigen Boden sitzen, die Müslischüssel in der Hand.

Danach geht es weiter am See entlang. Nachdem wir eine kleine Landzunge überquert haben eröffnet sich uns ein herrlich weißer Sandstrand am Seeufer. Es wäre ein Frevel gewesen hier keine Pause zu machen. Also lockern wir das Marschgepäck und satteln ab.

Grönland Arctic Circle Trail: einer der schönsten Ausblicke

Im weiteren Verlauf durchwandern wir ein morastiges Feuchtgebiet an dessen Ende es sehr steil 300 m hinauf geht. Nach diesem schweißtreibenden und kräftezehrenden Anstieg stehen wir auf einem Hochplateau mit einem kleinen See. Wir haben eine gigantische Fernsicht auf die unter uns liegenden Seen Kangerluatsiarsuaq und Tasersuaq. Hier machen wir eine längere Rast, erneut kommt ein Rentier vorbei, wieder ohne Scheu. Minutenlang umkreist es mich und ich kann ausgiebig Fotos machen. Es war für mich der bisher schönste Platz auf dem Arctic Circle Trail mit deutlich weniger Mücken aufgrund der höheren Lage mit Wind. Hier wäre eine super Campsite aber wir müssen noch Kilometer machen.

Von diesem traumhaften Ort geht es mit stetigem Wechsel aus bergauf- und ab weiter bis wir schließlich gegen 19 Uhr unser Etappenziel erreichen: die Hütte Ikkarlluttoq. Auf dem Weg dorthin beobachteten wir noch einen Polarhasen, der ebenso wie die Rentiere, nahezu keine Scheu vor uns hatte und kommen an unzähligen kleinen Seen vorbei.

Die Hütte Ikkarlluttoq gefällt mir: sie ist klein (7 Schlafplätze), wirkt gemütlich, ist sauber und man blickt hinab auf den gleichnamigen See. Wir richten uns gemütlich in der Hütte ein und futtern (Käsetortellini – welch kulinarisches Highlight). Im Laufe des Abends kommen vier Inuit-Frauen vorbei, die jedoch weiter runter zum Seeufer gehen und dort ihr Zelt aufschlagen.

Grönland Arctic Circle Trail Hütte Ikkarluttoq

Wir entschließen uns alle in der Hütte zu schlafen. Für mich allerdings ein Fehler. Gegen Mitternacht ist mir wahnsinnig heiß und die Hütte ist alles andere als eine mückenfreie Zone, so dass ich mein Zelt unweit der Hütte aufbaue. Dies geht mir unglaublich leicht von der Hand und innerhalb weniger Minuten steht meine rote Knutschkugel – auch unabgespannt.

Etappe 5

Ich verbrachte eine regenerative Nacht im Zelt: keine nervigen Mücken und dank der etwas höheren Lage und des Windes war es auch nicht zu warm. Endlich entstieg ich dem Schlafsack mal erfrischt und erquickt.

Früh am Morgen brachen wir auf – noch ein kurzer Blick auf die Zelte der Inuit-Frauen am nahegelegenen See: dort regte sich noch nichts. Bereits nach wenigen Metern stampften wir den ersten steilen Anstieg hoch. Es ging an einem weiteren kleinen See vorbei, wir hatten einen herrlichen Rundumblick, sahen erneut ein Rentier und machten gegen halb 10 Frühstückspause. Unser Blick reichte weit ins Tal von Ole’s Lakseelvir und wir konnten von unserem Platz aus riesige weiße Flächen erkennen: Wollgras. Es versprach also neben einer Flußquerung auch sonst recht feucht zu werden.

Grönland Arctic Circle Trial: Tal von Ole’s Lakseelvir

Der Abstieg runter ins Tal war anspruchsvoll und im Tal selbst kamen wir aufgrund des sumpfigen Untergrundes nur langsam voran. Nach wenigen Kilometern standen wir vor der abenteuerlichsten Flußquerung des Arctic Circle Trails, der Ole Lakseelv. Der Fluss war nicht nur breit und tief, sondern zeigte auch eine starke Strömung. Wir gingen in verschiedene Richtung am Ufer entlang doch nirgends schien es die optimale Stelle zu geben und die angebliche Brücke entdeckten wir erst recht nicht. Letztendlich sattelten wir ab, verstauten sämtliche Klamotten im und am Rucksack und nur mit Unterhose und Sandalen ging es durch den Fluß. Ohne den Einsatz meiner Trekkingstöcke hätte ich der Strömung nicht ausreichend Widerstand bieten können und wäre bestimmt im Wasser gelandet. Aber auch so ging mir das Wasser bis über den Bauchnabel. Zum Glück hielt der Rucksack dicht. Mein Freund schnappte sich, ebenfalls auf der anderen Seite, eine dort zurückgelassene Anglerhose um seiner Freundin bei der Flussquerung behilflich zu sein. Bis auf ein paar Wanderschuhe, welche sie bei einem Missgeschick ins Wasser fallen ließen blieb auch sonst bei ihnen alles trocken.
Nach diesem heil überstandenen Abenteuer machten wir in der Mittagssonne ca. eine Stunde Pause, ließen den Blick durch das Tal und über den Fluss schweifen während Klamotten und Schuhe in Sonne und Wind trockneten.

Die Sonne als ständigen Begleiter ging es weiter durch das Tal, durch die wollgrasgeprägte Sumpflandschaft, zu unserer rechten steil aufragende kleine Berge. Nach einer mir erscheinenden Ewigkeit stiegen wir die Hügel hinauf und sahen in der Ferne etwas Rotes. Es war die neue Hütte, welche die Trail-Mitte markierte. Hier rasteten wir ausgiebig auf dem weichen Boden mit einer Mischung aus Gras und Moos mit Blick auf den Fjord Maligiaq. 90 km lagen bereits hinter uns – die Hälfte geschafft – toll!

Nun folgten wir einem breiten Weg, der schon fast an eine Forststraße erinnerte. Ich vermute mal, dass hier Einheimische oft mit ihren Motorschlitten unterwegs sind, vielleicht gehört dieser Abschnitt sogar zum Artic Circle Race, so dass solch deutliche Spuren in der verletzlichen Landschaft vorzufinden waren.

Weiter ging es im stetigen Wechsel von bergauf bergab, wir genossen eine tolle Fernsicht, der Wind frischte auf und vertrieb einen Großteil der Mücken. Am frühen Abend rasteten wir windgeschützt zwischen Felsen und ich ließ mir mein selbstgemachtes Risotto schmecken.

Grönland: Spiegelungen

Am späten Abend bereiteten wir unser Nachtlager an einem großartigen Platz: auf einer Erhebung, einer umgestürzten Puddingform gleich, thronten wir auf einem Plateau oberhalb eines Sees. Der Himmel war wolkenverhangen, aber nicht komplett zugezogen, so dass die Sonne ihre Strahlen in orange-rot Tönen durch die Wolkendecke schickte. Der Wind blies uns noch immer um die Ohren und rüttelte an den Zelten. Es war eine großartige Stimmung, Outdoorfeeling pur.

Etappe 6

Bereits um kurz nach 6 brachen wir von unserer tollen Campsite auf, stiegen zum See hinab und frühstückten an dessen Ufer. Hier wäre auch eine nette Campsite gewesen, aber nur mit halb so gutem Ausblick wie wir ihn hatten.

Wir wandern weiter entlang des Sees, feuchtes Gelände wechselt sich ab mit recht hohen Kriechweiden, stellenweise größer als ich.

Ein See folgte dem Nächsten. Als etwas kniffelig entpuppte sich eine größere Feuchtwiese, da diese durch mehrere Bäche mit Wasser gespeist wurde und morastiger war als alles bisherige.

In weiter Ferne erblickten wir eine Hütte, sie lag etwas oberhalb eines größeren Sees. Der Wind hatte aufgefrischt und fegte ungehindert über das ganze Gebiet. Für uns wie ein Geschenk des Himmels, denn es war mückenfreie Zone und dank der Sonne war uns warm genug, so dass wir die ausgiebigste Rast auf dem gesamten Arctic Circle Trail einlegten.
Unmittelbar neben dieser Hütte befindet sich noch eine neuere Hütte, welche ein Stückchen tiefer Richtung Seeufer liegt. Beide sind recht schön und überhaupt ist der Platz einfach toll, bestimmt auch für stimmungsvolle Sonnenauf bzw. -untergänge.

Grönland Arctic Circle Trail: Grandiose Campsite

Als wir wieder unterwegs waren trauten wir unseren Augen kaum als uns eine Joggerin entgegen gelaufen kam in kurzer Hose, mit Windjacke um die Hüften und MP3 Player im Ohr. Ich war regelrecht perplex, denn bis Sisimiut war es noch ein ordentliches Stück. Wo sie wohl hergekommen sein mag. Wir sollten sie nicht wiedersehen.

Unser Nachtlager schlugen wir erneut in sehr exponierter Lage auf einem Hügelkamm mit grandiosem Ausblick in das unter uns liegende Flusstal Nerumaq auf.

Etappe 7

Auch an diesem Tag ging es sehr früh los. Wir stiegen durch Wiesen- und Kriechweidenabschnitte den Hügelkamm hinab ins Flusstal. Als wir unten ankamen frühstückten wir und machten uns dann weiter auf durchs Flusstal Nerumaq.

Nach kurzer Zeit erreichten wir einen kleinen See und eine dahinter liegende kleine und heruntergekommene Hütte (bloß schnell weg). Auf dem Weg dorthin kamen uns noch zwei äußerst wortkarge Schweizer entgegen.

Wir querten unzählige Bäche und Flüsse, mal konnten wir einfach drüber springen oder hindurchlaufen mal mussten wir von Stein zu Stein springen. Feuchtgebiete und mannshohe Kriechweiden durchwanderten wir.
Irgendwie herrschte heute Hochstimmung, witterten wir die salzige Luft von Sisimiut!? Wir veranstalteten mit schwerem Rucksack ein kleines Wettrennen eine Bergwiese hinunter, um kurz darauf lachend am Flussufer zu rasten.

Grönland: Idylle im Tal von Nerumaq

Danach keuchten wir einen Anstieg hinauf. Oben angekommen kam ich aus dem Staunen kaum heraus: vor uns lag der Fjord Kangerluarsuk Tulleq. Tiefblaues Meerwasser. Überall am Fjordufer konnte man bunte Punkte erkennen: kleine Hütten. Die Sommerhäuser der Grönländer? Ein malerischer Anblick.

Wir wanderten noch bis zu einer Hütte, kochten dort und nach dem Abendessen schlug ich das Zelt auf, da es mir mal wieder viel zu warm in der Hütte war.

Etappe 8

Uns trennen nur noch wenige Kilometer vom Ziel des Arctic Circle Trails: Sisimiut. Wir lassen es langsam angehen, packen gemächlich unsere Sachen und schlendern mehr als das wir dem Ziel entgegen wandern.

Bevor es hoch zum Pass ging frühstückten wir und ließen unseren Blick zurück über den Fjord Kangerluarsuk Tulleq schweifen.

Als wir die Passhöhe erreichten erwartete uns ein leicht groteskes Bild: eine kleine Nothütte, Schneestangen, und endlich auch mal Schnee.
Wir rasteten ausgiebig in dieser mückenfreien Zone und als ich meinen Rucksack wieder schulterte kam er mir gar nicht mehr so schwer vor.

Grönland Arctic Circle Trail: Vor den Toren Sisimiuts

Nach einer knappen Stunde wandern eröffnete sich vor uns ein grandioses rundes Tal, welches im Westen durch das beeindruckende Felsmassiv Nasaasaaq begrenzt wird.
Im Tal selbst kommt uns eine dänische Familie entgegen, die eine kleine dreitägige Rundwanderung unternehmen.

Am Ende des Tals ein kleiner Anstieg und ein Wegweiser. Zwei Wege führen nach Sisimiut und einer den Berg hinauf. Dort will ich hoch, ich will das Ziel von oben sehen. Ich kann es kaum erwarten, ich erhöhe das Tempo, fast renne ich die Berghänge hinauf und als ich oben ankomme sehe ich es endlich: Sisimiut! Es liegt in der Abendsonne vor mir. Ein unbeschreibliches Gefühl es geschafft zu haben tagelang, kilometerweit durch die Wildnis zu wandern.

Wir entschließen uns die Nacht noch außerhalb Sisimiuts, hier auf dem Berg zu verbringen. Schauen dem spätabendlichen Landen von Flugzeugen zu, lauschen dem Geheule der Schlittenhunde und wittern den Geruch der Zivilisation.

Etappe 9

Wir folgen dem Weg bergab ins Tal von Sisimiut, frühstücken am See und gelangen auf einem kleinen Pfad auf die Hauptstraße von Sisimiut.
Zum feierlichen Abschluss, erklimmen wir einen kleinen Hügel unmittelbar am Stadtrand, unweit des Helikopterplatzes gelegen, um einen tollen Blick über die Stadt zu haben.

Grönland Panorama Sisimiut

Fazit:

Fast 200 km bin ich bisher noch nicht gewandert. Die gewissenhafte Vorbereitung hat sich ausgezahlt und es hat alles super geklappt. Aufgrund des hochsommerlichen Wetters blieben viele Klamotten und Gegenstände unangetastet und auch vom Essen waren am Ende noch 3 Packungen gefriergetrocknete Nahrung, 200 g Studentenfutter und fünf Müsliriegel übrig. 1 Liter Reinbenzin haben ebenfalls dicke gereicht.
Auch wenn ich mich mit den vielen Mücken auf dem Artic Circle Trail arrangieren konnte, trübten sie doch deutlich den Wanderspaß und verhunzten so manches Foto.
Die Landschaft hat zwar ihren Reiz aber mir persönlich fehlte einfach die Abwechslung. Sehr schade fand ich den ganzen Müll, welcher unübersehbar in dieser nahezu menschenleeren Landschaft liegt.
Würde ich den Arctic Circle Trail noch mal machen, würde ich diesen im Herbst wandern, wenn es schon den ersten Nachfrost gibt, um die Mücken zu umgehen bzw. etwas Eis an der Strecke zu haben.
Im Anschluss an den Artig Circle Trail verbrachten wir noch ein paar Tage in Sisimiut und Ilulissat. Berichte dazu werden in den kommenden Wochen folgen.

 

Grönland, der Arctic Circle Trail und die Mücken

Kaum hatten wir das Flughafengebäude in Kangerlussuaq verlassen wurden wir von Moskitos attackiert, welche selbst durch mein Langarmshirt stachen.

Nach dieser unangenehmen Begegnung gewöhnte ich mich recht schnell an die blutsaugenden Biester und benötigte das Moskitonetz nicht im weiteren Verlauf des Arctic Circle Trails. Ich hatte das Gefühl, dass mich die Mücken auch nicht so lecker fanden wie meine mitgereisten Freunde, welche ihr Moskitonetz praktisch nur noch im Zelt auszogen.

Ferner hatte ich den Eindruck, dass meine benutzte Sonnenmilch die Mücken abhielt.

Mit am meisten an den Mücken nervte mich, dass sie mir vor der Linse rumtanzten und viele Fotos so zunichte machten.

Mücken auf dem Arctic Circle Trail in Grönland (Juli 2012)

Am Stadtrand von Sisimiut waren die Mücken noch allgegenwärtig, in der Stadt bzw. am Meer nicht mehr.

In Ilulissat gab es dann keine Mücken mehr, auch nicht, als ich 8 km von der Küste weg wanderte. Ich vermute, dass es an den deutlich kälteren Temperaturen lag.